Kann Ökolandbau die Welt ernähren?
Der Ökolandbau ist für viele Menschen in Deutschland Inbegriff für nachhaltige Landwirtschaft. Er wird überwiegend als gut für Umwelt, Klima, Tierwohl und gesunde Ernährung wahrgenommen. ... Doch könnte der Ökolandbau allein die Welt tatsächlich ernähren? Wäre eine flächendeckende Umstellung der Landwirtschaft möglich und erstrebenswert? Ich beantworte diese Fragen mit einem klaren Nein. Das heißt nicht, dass die Landwirtschaft nicht umwelt- und klimafreundlicher werden muss. Aber der Ökolandbau ist hierfür nicht das Patentrezept.
Über Jahrtausende hinweg war das zentrale Problem des menschlichen Überlebens, dass nicht ausreichend Nahrung verfügbar war. ... Heute hungern weltweit nur noch elf Prozent der Menschen, und das, obwohl die Bevölkerung seit Beginn des 20. Jahrhunderts um fast sechs Milliarden angestiegen ist. Hauptgrund für diese enormen Erfolge sind die gesteigerten Erträge durch den Einsatz von Dünger, besseren Sorten, Pflanzenschutz und anderen Agrartechnologien.
Doch der Hunger ist noch nicht besiegt. Nach wie vor sind fast 800 Millionen Menschen unterversorgt, vor allem in Asien und Afrika. Und die Weltbevölkerung wächst weiter. ... Für eine ausreichende Nahrungsverfügbarkeit wird die globale Agrarproduktion bis 2050 um mindestens sechzig Prozent gesteigert werden müssen.
Geringere Erträge im Ökolandbau
Die durchschnittlichen Erträge im Ökolandbau sind niedriger als in der konventionellen Landwirtschaft – im Schnitt rund 25 Prozent, mit starker Streuung je nach Situation. ...
Hinzu kommt, dass die Ertragslücke schrittweise größer werden würde, weil im Ökolandbau bestimmte Technologien mit großem Steigerungspotenzial kategorisch ausgeschlossen werden. Beispiele sind die Gentechnik und andere neue Züchtungstechnologien, die Pflanzen robuster gegen Schädlinge und widrige Umwelteinflüsse machen können.
Die Ertragslücke bedeutet, dass im Ökolandbau mehr Fläche benötigt wird, um die gleiche Menge an Nahrung zu produzieren. Um die steigende Nachfrage zu befriedigen, müssten also mehr Wälder abgeholzt und Naturräume in Agrarflächen umgewandelt werden. Das würde zusätzliche Klimaeffekte und einen weiteren Verlust an Biodiversität nach sich ziehen. ...
Rund 85 Prozent der Weltbevölkerung leben in Entwicklungs- und Schwellenländern. Und dort allein findet das weitere Bevölkerungswachstum statt. Wenn die Nachfrage nach Nahrung wächst, ohne dass die Produktion Schritt hält, werden die Preise steigen. Für reiche Menschen ist das zu verkraften, für arme Menschen würde das jedoch zusätzlichen Hunger bedeuten. ...
Der Ökolandbau kann die Welt nicht ernähren und ist deswegen kein globales Modell für nachhaltige Landwirtschaft. Dennoch beinhaltet er viele wichtige Aspekte, die es zu fördern gilt. Vielfältigere Fruchtfolgen, höhere organische Bodensubstanz und reduzierter Einsatz schädlicher Inputs sind zentrale Elemente hin zu einer umweltfreundlicheren Produktion. Aber deswegen muss man Chemie und neue Züchtungsmethoden nicht komplett verteufeln. Was wir brauchen, ist eine Kombination der besten Elemente und Technologien ohne ideologische Scheuklappen.
Dieser Beitrag ist die gekürzte Version eines Artikels, der in Publik-Forum 13/2017 erschienen ist. Mit einem Digital-Abo können Sie ihn hier komplett lesen. Im Rahmen der Publik-Forum-Reihe »Streitfragen zur Zukunft« (#PFDebatte 2017) widerspricht der Agrarwissenschaftler Felix zu Löwenstein in der kommenden Printausgabe von Publik-Forum Matin Qaim. Auch Sie können sich gerne an der Debatte beteiligen, direkt im Kommentarfeld unter diesem Artikel. Wir veröffentlichen eine Auswahl der Leserbriefe zu den »Streitfragen der Zukunft« in der übernächsten Publik-Forum-Ausgabe.
