Die Katastrophe von Tschernobyl
Der GAU

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Er wollte es nicht tun, weil er das Schlimmste befürchtete. Und tat es dann doch, auf Anweisung von oben. Am 26. April 1986, um 1:23:40 Uhr Ortszeit, betätigte der Ingenieur Leonid Toptunow den Schalter zur Schnellabschaltung von Block 4 des Kernkraftwerks Tschernobyl. Der Test der Notstromversorgung sollte weitergehen, allen Problemen zum Trotz. Doch der Reaktor schaltete nicht ab. Er erhitzte sich immer mehr. Das Reaktorgebäude barst, glühendes Graphit fing Feuer.
Der GAU war da, der größte anzunehmende Unfall. Eine riesige radioaktive Wolke zog Richtung Norden und Westen. Leonid Toptunow öffnete noch von Hand die Kühlwasserventile in den Katakomben des Reaktorgebäudes, vergebens. Tödlich verstrahlt starb er am 14. Mai. In der Sowjetunion galt er als schuldig an der Katastrophe, die heutige Uk




Die Katastrophe von Tschernobyl
Gerhard und Renate Breidenstein 15.05.2026:
Wir sind seit Jahrzehnten Leserin und Leser von Publik Forum. Wir möchten Ihnen ausdrücklich danken für dieses Themenheft zum GAU 1986 in Tschernobyl. Es kommt genau zu der Zeit, da Politiker in der Bundesrepublik davon sprechen, die Atomenergie wieder »friedlich« zu nutzen. Besonders eindrücklich waren uns die Beiträge von Swetlana Alexijewitsch sowie von dem sach- und ortskundigen Sebastian Pflugbeil. Obwohl wir in den 1960er-Jahren hochaktiv waren im Protest und gewaltfreien Widerstand gegen die Atomenergie, waren unsere Erinnerungen von damals wie abgelagert und wurden jetzt wieder aufgeweckt. Das ist gut!
Gerhard Loettel 15.05.2026:
Diese ganze »Spielerei« mit der Urkraft des Atoms ist allzu eindeutig lebensbedrohend und wird mit Recht im neuen Heft mehrfach kritisch betrachtet. Da lauern eine Großzahl von Lebensgefahren: Das beginnt schon bei der Gewinnung radioaktiver Erze und den dabei anfallenden radioaktiven Abräumen und Abwässer. Dann setzen KKWs unabänderlich radioaktive Stoffe durch den Normalbetrieb über Abluft und Abwässer und unvermeidliche Lecks und Beanspruchungsrisse frei. Für den Betrieb solcher Anlagen müsste eine ideale Mannschaft ausgebildet werden, die absolut krankheitsresistent (Infektionen, Depressionen et cetera) ist. Und die Anlage kann nicht sicher gegen Zerstörung von außen gesichert werden wie Sabotage, Cyberangriffe, Flugzeug- und/oder Drohnenabstürze und gegen irdische Einflüsse (Erdbeben, Tsunamis et cetera). Die Endlagerung der abgebrannten Brennelemente und ihrer Wiederaufbereitungsprodukte ist ungelöst und kann nicht über Abertausende von Jahren in geologischen Zeiträumen gelöst werden. Und die Gefahr der Ausnutzung der KKW-Anlagen für die Aufbereitung von Nuklearwaffen ist nicht gebannt.
Hans-Georg Bergandt 15.05.2026:
Kernreaktoren abzulehnen ist nach den Reaktorunfällen sehr verständlich. Das ist das eine. Das andere ist: Wo soll die viele Energie herkommen, die unsere Gesellschaft beansprucht mit jährlich steigendem Bedarf? Die Zahl der Windkraftanlagen wird sich verdoppeln müssen, wenn nicht sogar verdreifachen, um alle Tage rund um die Uhr den »alternativen« Strom verfügbar zu haben. Ich habe mich nach der Lektüre von »Kernenergie – Ein Weg in die Zukunft« von Götz Rupert und Horst-Joachim Lüdecke vorsichtig für die Atomkraft geöffnet. Warum? Im Wesentlichen sind es zwei Gründe. 1. Neuere Reaktoren könnten mit flüssigem Uran arbeiten, das bedeutet, es gäbe keine Kernschmelze mehr, weil das Uran schon flüssig ist. 2. Neuere Reaktoren könnten auf höherer Temperatur arbeiten. Das bedeutet, dass das Uran besser ausgenutzt wird. Damit würde weniger Atommüll anfallen. Es bedeutet auch, dass der jetzige Atommüll recycelt und damit reduziert werden könnte. Warum wird hier nicht weitergeforscht?
Rudolf Walter 15.05.2026:
Als der bayerische Ministerpräsident Markus Söder kürzlich sagte, dass ganz Bayern ungeeignet sei für die Endlagerung von Atommüll, wurde mir klar, wie verlogen die Befürwortung neuer Atomkraftwerke ist.
Gerhard Hubmer 30.04.2026, 07:32 Uhr:
Zur Beurteilung der Sicherheit von Kernkraftwerken im Lichte des Tschernobyl-Unglücks bedarf es noch folgender Informationen:
Das Design des Reaktors in Tschernobyl war so gewählt, damit während des Betriebes die Erzeugung von waffenfähigem Plutonium möglich war – Stromerzeugung war eigentlich nur Nebensache.
Für den Test, der deswegen auch unter militärischer Führung stand, wurden alle Sicherheitsvorrichtungen bewusst umgangen, sodass der Reaktor in einen nicht mehr beherrschbaren Zustand kam. Das Design des Reaktors war in diesem Zustand (bekanntermaßen) fatal: es war so, wie wenn bei einem Verlust der Bremsflüssigkeit eines Autos das Gaspedal automatisch (!!!) voll durchgedrückt werden würde.
Zum Vergleich: bei „westlichen“ Reaktoren bricht bei einem Kühlmittelverlust automatisch (aus physikalischen Gründen) die Kernspaltung zusammen.
Die hohe Zahl an weltweiten Krebstoten beruht auf einer unzulässigen Extrapolation von Strahlenfolgen bei hohen Dosen zu sehr niedrigen Dosen.