Cook-Inseln: Sonnenkraft gegen den Untergang
Der Ministerpräsident der Cook-Inseln, Henry Puna, hat sich für die nächsten Jahre ein ehrgeiziges Ziel gesteckt: Bis 2020 soll der Inselstaat im südlichen Pazifik seine Energie ausschließlich aus erneuerbaren Quellen beziehen. Das Vorhaben sei durchaus erreichbar, versicherte er in einem Gespräch am Rande des Wiener Energieforums.
Der Inselarchipel gehört zu den tief liegenden Inselstaaten, die ohne eine deutliche Verringerung der internationalen Treibhausgasemissionen sprichwörtlich vom Untergang bedroht sind. 14 000 Menschen bewohnen das unter Selbstverwaltung stehende neuseeländische Außenterritorium, das aus 15 kleinen Inseln besteht, die sich über eine Fläche in der Größe Indiens erstrecken. Die Gesamtfläche der Cook-Inseln beträgt 240 Quadratkilometer.
Erstes Nullemissionsland der Welt
Der CO2-Ausstoß des Inselreichs ist im internationalen Vergleich unbedeutend. So produziert das ganze Land nicht mehr Treibhausgase als eine 3000 Menschen zählende Stadt. Ein aus der Verzweiflung geborener Aktionsplan soll das Inselreich zum ersten Null-Emissionsland bis 2020 machen. Bisher produzieren die weitgehend von ausländischer Hilfe abhängigen Cook-Inseln nur eine verschwindend geringe Menge Ökostrom.
Die Regierung hat sich nun ein erstes Etappenziel gesetzt. Bis 2015 soll die Hälfte des nationalen Energiebedarfs aus erneuerbaren Quellen wie Sonnenkraft gedeckt werden. Eine Solaranlage, die zwei Megawatt Strom erzeugen soll, ist in Planung. Laut Ministerpräsident Puna sind die Cook-Inseln trotz ihres minimalen CO2-Fußabdrucks fest entschlossen, etwas gegen den Klimawandel zu unternehmen.
»Wir gewinnen fast die Hälfte unserer Energie aus Öl (Diesel und Erdöl), für das wir die Hälfte unseres Etats ausgeben. Das sind zehn Millionen US-Dollar, die auf diese Weise unser Land verlassen. Die wollen wir einsparen«, sagte der Regierungschef.
Bevölkerung macht mit
Puna zufolge genießen die Pläne in der Bevölkerung einen breiten Rückhalt. »Unsere Menschen unterstützen unseren Traum, zur saubersten Destination der Welt zu werden«, sagte Puna. »Eines Tages wird die Welt von uns wissen wollen, wie wir zu den hundert Prozent gekommen sind.«
Der Regierungschef hatte die internationale Gemeinschaft in Wien aufgefordert, allerspätestens ab 2015 für einen Rückgang der CO2-Emissionen zu sorgen. »Wir müssen schnell handeln und den Klimawandel noch in diesem Jahrzehnt unter Kontrolle bringen«, sagte er. »Auch wenn sich unsere Lebensumstände unterscheiden, so sind wir doch alle Teil von Mutter Erde und sollten die Verantwortung teilen, damit die Erde für alle und nicht nur für einige bewohnbar bleibt.«
Die Bedrohung ist spürbar
Die Gefahr des Untergangs ist auf den Cook-Inseln omnipräsent, denn der Klimawandel hat hier bereits einen beträchtlichen Schaden angerichtet. Korallenbleiche, die häufige Wiederkehr an Intensität zunehmender Wirbelstürme und Küstenerosion sind nur einige negative Begleiterscheinungen.
»Wir leben vom Meer und vom Land, die Natur ernährt uns«, sagte der Premier. »Alles, was der Natur Schaden zufügt, lässt bei uns die Alarmglocken schrillen. Durch den Klimawandel sehen wir uns in unserer Existenz bedroht.«
Österreichische Stadt Güssing als Vorbild
Eine hundertprozentige Unabhängigkeit von fossilen Treibstoffen sei sicher möglich, meinte der Regierungschef. Darin habe ihn auch der Besuch von Güssing bestärkt. Der in den 1990er-Jahren verarmte österreichische Stadt ist die Abkehr von fossilen Brennstoffen gelungen. Inzwischen deckt sie ihren gesamten Strombedarf aus erneuerbaren Quellen, was wiederum die Ansiedlung grüner Unternehmen und die Entwicklung des Ökotourismus zur Folge hatte.
»Güssing ist eine kleine Stadt, und wir sind ein kleines Land«, unterstrich Puna die Gemeinsamkeiten. »Güssing hat uns gelehrt, dass überall dort, wo der politische Wille und die Rückendeckung durch die Bevölkerung gegeben sind, alles geschehen kann.« Puna zufolge hat der Bürgermeister von Güssing seinem Land Unterstützung bei der Umstellung auf erneuerbare Energien zugesagt. Hilfe komme zudem von Japan, Neuseeland und dem UN-Entwicklungsprogramm UNDP.
Vorbild für den Rest der Welt
Wie der Premier betonte, sind nicht die Technologien zur Produktion von Ökostrom das Problem, mit dem die Cook-Inseln zu kämpfen haben. Entscheidend sei die Frage, wie sich der grüne Strom speichern lässt. »Außerdem müssen wir sicherstellen, dass auch unsere isolierten Bevölkerungsgruppen in die Lage versetzt werden, die modernen Technologien zur Herstellung von Biostrom zu nutzen.
»Aktiv zu werden vermittelt uns auch dann noch ein gutes Gefühl, wenn der Rest der Welt untätig bleibt«, betonte Puna. »Wir sind nicht nur für uns allein so umtriebig. Wir betrachten unser Engagement gegen den Klimawandel als Beitrag zur Verbesserung der globalen Umwelt.«
