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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 19/2017
Cyberwar
Stell dir vor, es ist krieg und keiner merkt es
Der Inhalt:

Total verluthert

Das Reformationsjubiläum begleitet uns schon länger. Am 31. Oktober, wenn zum 500. Mal Luthers Thesenanschlags gedacht wird, müsste aber wohl Schluss sein mit dem Feiern und Gedenken. Oder etwa doch nicht? Es könnte auch ganz anders kommen, meint Fabian Vogt. Die Kolumne
Luther in der Glaskugel: Ist das Reformationsjubiläum wirklich bald zu Ende? (Foto: pa/dpa/Sebastian Willnow)
Luther in der Glaskugel: Ist das Reformationsjubiläum wirklich bald zu Ende? (Foto: pa/dpa/Sebastian Willnow)

Ich habe diesen Sommer mehrere Monate lang in Wittenberg verbracht. Auf der »Weltausstellung Reformation«. Das war großartig, aber bei gefühlt fünfhundert Gesprächen am Tag auch echte seelische Schwerstarbeit. Sprich: Als ich vor ein paar Wochen nach Hessen zurückkehrte, fühlte ich mich eigentlich reif für eine mehrmonatige Reha auf den Äußeren Hebriden mit anschließendem Wiedereingliederungsprogramm in einer möglichst dunklen Whiskybar. So erschöpft war ich.

Tagelang bin ich nur noch wie ferngesteuert durch unser Haus geschlichen – halb paralysiert, dahinvegetierend oder in Trance – oder lag in einer Art Dämmerzustand auf der Couch, wo ich zögerlich versuchte, mich an meinen Namen zu erinnern. Wenigstens an den Vornamen. Und in einem dieser nebligen Momente ist es dann passiert: Ich hatte einen Traum. Oder eine Imagination. Oder einen Tagmahr – wie man früher vermutlich auch nicht sagte. Wie dem auch sei: Plötzlich tauchten vor meinem inneren Auge Bilder auf, und siehe ... da war diese Vision, die ich der Welt nicht vorenthalten kann. Hier ist sie!

Alle Zeitungen verkünden frohgemut die Sensation: Das Original von Luthers Thesen wurde gefunden. Endlich! Ja, das eng beschriebene Blatt, das der Reformator in Wittenberg persönlich an die Kirchentür geschlagen hat. Es lag auf einem staubigen Speicher. Von nun an müssen alle Zweiflerinnen und Zweifler ein für alle Mal demütig zu Kreuze kriechen.

Denn die wissenschaftlichen Untersuchungen sind eindeutig: Grafologen konnten die Schrift als die Luthers identifizieren. Dendrologen wiesen nach, dass die Holzreste an den noch dabeiliegenden Nägeln eindeutig zum ehemaligen Torflügel der Schlosskirche gehören. Und die forensischen Dakty

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