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Man muss ihn einfach lieben

Warum sind die Leute so verrückt nach ihm? Was ist das Besondere an Rolando Villazón, dem Sänger aus Mexiko? Hannah Glaser hat mit ihm gesprochen. Das Interview lesen Sie im neuen Publik-Forum EXTRA Leben
von Doris Weber vom 09.06.2013
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Rolando Villazón setzt große Gefühle in Musik um: Nach einer riskanten Operation wusste er nicht, ob er jemals wieder singen kann. Jetzt ist er in Deutschland mit Verdi unterwegs. (Foto: pa/wildbild)
Rolando Villazón setzt große Gefühle in Musik um: Nach einer riskanten Operation wusste er nicht, ob er jemals wieder singen kann. Jetzt ist er in Deutschland mit Verdi unterwegs. (Foto: pa/wildbild)

»Er ist sehr menschlich. Er umarmt seine männlichen Fans genauso wie die kleine alte Dame, die ihn nach dem Konzert um ein Autogramm bittet. Er widmet sich jedem Einzelnen so aufmerksam und neugierig, als gäbe es in diesem Moment niemanden sonst im Raum«, schwärmen seine Fans, die ihn persönlich erleben.

Selbst seine eigene Katastrophe wandelte Rolando Villazón in Stärken um. Als er nach einer Operation an den Stimmbändern nicht wusste, ob er jemals wieder auf einer Bühne stehen wird, hat er Museen besucht, mit seinen Kindern gespielt und »die Vögel beneidet, dass sie singen dürfen …«.

Wer also ist dieser Mann mit der großen Stimme? Ist er ein herausragender Charakter? Oder ist er einfach bloß ein guter Schauspieler, der die Pose des »Gutmenschen« perfekt beherrscht? Solche Fragen haben wir uns in der Redaktion natürlich auch gestellt, und wir haben einige – vielleicht ganz einfache – Antworten gefunden. Die Menschen, die Rolando Villazón auf und hinter der Bühne erleben, beschreiben ihn als authentisch, warmherzig, verbindlich. Ob diese Eigenschaften wirklich alle auf ihn zutreffen, das können möglicherweise nur seine Frau und seine Kinder beurteilen. Aber die Figur Rolando Villazón verkörpert die Erfüllung einer Sehnsucht nach ebendiesen Werten, die viele Menschen in unserer Gesellschaft schmerzlich vermissen. »Er hat ein Herz«, sagt eine Villazón-Verehrerin, »und er traut sich, es uns zu zeigen.«

Immer häufiger beklagen Experten, dass die Welt kälter geworden ist, sinnloser, entzaubert. Der Mensch im dritten Jahrtausend sei beziehungslos, einsam und cool. Herz ist unmodern. »Ich bin mir selbst genug, ich brauche niemanden«, so lautet das Manifest der »Ichlinge«, eine Wortschöpfung des Soziologen Ulrich Beck. Vielleicht haben deshalb so viele
Menschen Angst, ihre Verletzlichkeit zu zeigen. Es ist ein Risiko, Gefühle zu äußern, wo Kälte in Mode gekommen ist.

Doch es gibt sie immer noch, jene Menschen, die zu sich selbst stehen, für die Menschlichkeit eine Stärke und keine Schwäche ist. Man findet sie im Alltag nicht leicht, denn man sieht sie kaum und hört sie selten, weil sie nicht glänzen und nicht lärmen. Aber wir suchen sie und erzählen ihre Geschichten in »Leben«, unserem Magazin mit dem anderen Blick.

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Personalaudioinformationstext:   Doris Weber ist Chefredakteurin des »Publik-Forum EXTRA Leben«. Es erscheint alle zwei Monate. Sie können es ab sofort abonnieren. Auch der Kauf des aktuellen Einzelheftes »Publik-Fourm EXTRA Leben« ist möglich.
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