Kinotipp: »Rose«
Härte und darunter Angst

Kino. Gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges taucht in einem abgeschiedenen protestantischen Dorf ein geheimnisvoller Soldat auf. Er hat eine Urkunde, die ihn als Erben eines leerstehenden Gutshofs ausweist. Der Fremde macht sich daran, das baufällige Gut zu sanieren, hilft dem Pastor beim Unterricht in Lesen und Schreiben und rettet mit seiner Muskete seinen Knecht vor einem Bären. So erwirbt der tüchtige Sonderling die Anerkennung der Dorfgemeinschaft. Seine Heirat mit der Tochter eines anderen Gutsbesitzers und die Geburt eines Kindes scheinen sein kleines Glück zu besiegeln. Und doch kennt man dank des Off-Kommentars von Anfang an das Dilemma des vernarbten Kriegsveteranen: Er ist eine »Weibsperson«.
Es ist nicht nur das Damoklesschwert der unweigerlichen Aufdeckung dieses Geheimnisses, das diesem Historiendrama seine beklemmende Intensität verleiht. In strengem Schwarz-Weiß gedreht, entwickelt die Inszenierung oft eine märchenhafte, fast lyrische Atmosphäre. Dann wiederum kommt mit den Details der Camouflage der Heldin ein bitterböser Humor ins Spiel, in dem sich die allgegenwärtige Brutalität und Heuchelei einer patriarchalischen Gesellschaftsordnung entlarvt. Es geht buchstäblich darum, wer die Hosen anhat.
Dieses Frauenporträt ist an authentische Schicksale angelehnt. Ganz handfest werden darin historische Debatten um Geschlechterrollen mit heutigen verbunden. Sandra Hüller wurde für ihre Darstellung der herrisch auftretenden, breitbeinigen Rose, die ihr Geschlecht verheimlicht, um frei zu sein, auf der diesjährigen Berlinale mit einem Silbernen Bären ausgezeichnet.
Rose (Ö/D 2025). Film von Markus Schleinzer, 94 Min. Ab 12 J.




