Die Kraft der Verwandlung
Nico Remscott ist ein junger Kabarettist, der als Depressiver auf die Bühne kommt. Er sagt dann zum Beispiel: »Die Hoffnung stirbt zuletzt. Ja, aber sie stirbt.« Ein solcher Satz ist – sollte er ernst gemeint sein – ein Ausdruck absoluter Hoffnungslosigkeit. Kein Ausblick, kein Lichtstrahl – nichts.
Es gibt Menschen, die in dieser Trostlosigkeit festhängen und kein Licht am Ende des Tunnels sehen, die sterben wollen, weil ihnen alles sinnlos erscheint. Andere wiederum leben zwar weiter, doch empfinden sie ihre tiefe Verzweiflung an der Welt als eine dauerhafte existenzielle Grundtönung ihres Lebens, die ihre Lebendigkeit und Lebensfreude einschränkt.
In diesem EXTRA erzählen Menschen von sich, die den Weg aus der Verzweiflung herausfanden und neuen Lebensmut schöpfen konnten. Es erzählen Mütter, die ein totes Kind zur Welt brachten und nach diesen schlimmsten Stunden ihres Lebens lange darauf warten mussten, bis die Sonne wieder aufging. Ein Mann, der beide Beine verlor, redet über seine Liebe und über seinen Optimismus: »Ich habe immer JA zum Leben gesagt! JA mit Großbuchstaben.« Und ein ehemaliger, international tätiger Fußballschiedsrichter schaut heute – nach seinem Selbstmordversuch – mit einem veränderten Blick auf sein Leben.
Es gibt eine Kraft, die Verzweiflung in Hoffnung verwandeln kann. Das erfuhr auch der Schriftsteller, der seinen Lebensmut in der Stille der Kontemplation wiederfand. Ein anderer schreibt im Dunkel seiner Depression einen Brief an Hiob, weil dieser ihm mit seinem Leid und in seiner Klage gegen Gott zu einem Vorbild wurde.
Manche fragen sich, ob nicht alle theologischen Vorstellungen reine Vertröstung sind? Wie überlebt man einen mörderischen Krieg? Warum kann Gott, wenn er Liebe und allmächtig ist, nicht einen Menschen wollen, dem all das Grauenhafte, was viele Menschen verzweifeln lässt, erspart bleibt? Diese Fragen stellen wir in diesem EXTRA einem »Theologen der Hoffnung«, der seinen persönlichen, mitunter sehr schweren Lebenserfahrungen ein mutiges Dennoch entgegen setzt. Er glaubt an eine letzte Umwandlung tiefster Verzweiflung, an eine Hoffnung über den Tod hinaus: »Ich erwarte die Auferstehung.«
Diese Hoffnung, diese Auferstehung aus der Verzweiflung, kann es schon mitten im Leben geben. Das bezeugen die Menschen, die in diesem EXTRA von ihren Erfahrungen erzählen. Dabei kommt auch die politische Dimension der Hoffnung in den Blick. Denn niemand lebt ja nur für sich allein.
Vom »Prinzip Hoffnung« sprach in den 1960er-Jahren der marxistische Philosoph Ernst Bloch, als er über die Welt und die Bestimmung des Menschen nachdachte. Er wollte sich nicht mit dem Vorfindlichen zufrieden geben. Für Christen ist die Hoffnung eine der drei grundlegenden Lebenshaltungen – neben dem Glauben und der Liebe.
Hoffnung gibt es, weil es auch ihr Gegenteil gibt: die Verzweiflung. Dass die Hoffnung niemals stirbt – auch das ist eine Hoffnung.
