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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2020
Der Gott von gestern
Warum die Kirchen in der Krise sprachlos sind
Der Inhalt:

Der Meister bewahrt ein Geheimnis

von Jan Opielka vom 19.07.2020
Bob Dylan hat mit 79 Jahren ein neues Album herausgebracht. Auf »Rough and Rowdy Ways« zeigt er seine große Vielfalt.
Lebende Legende: Bob Dylan (Foto: © Sharon Mollerus/Wikimedia)
Lebende Legende: Bob Dylan (Foto: © Sharon Mollerus/Wikimedia)

I’m not there«. »Ich bin nicht da«, heißt ein Film, in dem der Regisseur Todd Haynes versucht, Bob Dylan als Menschen und Künstler zu erfassen. Sechs Schauspieler verkörpern darin absolut unterschiedliche Gesichter des Musikers. Der Titel sagt es: »Ich bin nicht da« – denn Dylan ist nicht zu fassen, wird kaum je zu fassen sein, er bleibt ein Geheimnis.

Dies gilt auch nach dem jüngsten Album, das soeben unter dem Titel »Rough and Rowdy Ways« herausgekommen ist. Bereits Ende März, zu Beginn der Corona-Pandemie, die seine »nie endende Tour« durch die Konzerthallen der Welt abrupt zum Stehen brachte, deutete Dylan mit einem monumentalen 17-Minuten-Track »Murder Most Foul« an, dass da mehr kommen wird. Nun ist das Album da. Und die zehn Stücke fassende Platte zeigt: Wer auch immer er ist – Dylan bleibt die Mannigfaltigkeit in Person. Gleich im Eingangstück kündigt er es etwas selbstironisch an: »I contain multitudes«, singt er mit tief vibrierender Stimme. »Ich enthalte Vielheit.«

Ich singe die Songs der Erfahrung wie William Blake / Ich muss mich nicht entschuldigen.

Nein, für dieses Album muss sich der 79-Jährige nicht entschuldigen. »Es geht nicht darum, sich selbst zu finden, sondern darum, sich und Dinge zu erschaffen«, sagte er vor ein paar Jahren in einem Interview. In »False Prophet« (»Falscher Prophet«) singt er, rau, bluesig, mit einer Dosis Ironie und Augenzwinkern:

Bin kein falscher Prophet / Ich sagte nur, was ich sagte / Ich bin nur hier, um Rache über jemandes Haupt zu bringen.

»Ich bin gekommen, um Feuer auf die Erde zu werfen. Wie froh wäre ich, es würde schon brennen!«, heißt es im Neuen

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