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Kino: Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße
Der Held vom Bahnhof Friedrichstraße

Durch ein Missverständnis wird ein Berliner Videothekenbesitzer zum Held einer Massenflucht aus der DDR: Regisseur Wolfgang Becker erzählt in seinem letzten Film eine amüsante Hochstaplergeschichte.
von Birgit Roschy vom 15.12.2025
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Zu schön, um wahr zu sein: Micha (Charly Hübner) soll einst eine Massenflucht aus der DDR ermöglicht haben. Der zerzauste Berliner Videothekenbesitzer wird plötzlich zum Medienstar.(Foto: © Frederic Batier / X-Filme AG via Filmstarts.de)
Zu schön, um wahr zu sein: Micha (Charly Hübner) soll einst eine Massenflucht aus der DDR ermöglicht haben. Der zerzauste Berliner Videothekenbesitzer wird plötzlich zum Medienstar.(Foto: © Frederic Batier / X-Filme AG via Filmstarts.de)

Kino. Manchmal steckt in einer Geschichte mehr Wahrheit als in der Wirklichkeit: Davon erzählt diese deutsch-deutsche Schelmengeschichte, in der ein zerzauster Berliner Videothekenbesitzer 2019 zum Volkshelden aufsteigt. Ein Journalist hat nämlich zum 30. Jahrestag des Mauerfalls in Stasiakten eine irre Geschichte ausgegraben: Eine S-Bahn mit 127 Passagieren soll 1984 vom Bahnhof Friedrichstraße in den Westen umgeleitet worden sein. Deshalb kontaktiert er Micha. Der damalige Stellwerksarbeiter soll einen Bolzen aus der Weiche geschlagen und so die größte Massenflucht aus der DDR in den Westen ausgelöst haben. Ganz so war es zwar nicht, doch Micha verkauft dem Journalisten eine Premiummitgliedschaft für seine Videothek und erzählt ihm, was der hören will. Unversehens gerät der nette Tollpatsch als vermeintlicher Freiheitskämpfer auf die Titelseite eines Magazins, plaudert in einer Talkshow mit Kati Witt, speist mit dem Bundespräsidenten. Als dem Hochstapler allmählich der Boden unter den Füßen zu heiß wird, meldet sich auch noch eine Frau, die als Kind in der S-Bahn saß und sich nun bei ihrem Wohltäter bedanken will.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 24/2025 vom 19.12.2025, Seite 55
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In seinem letzten Film inszenierte Wolfgang Becker, der kurz nach Ende der Dreharbeiten verstarb, eine Satire, die an seinen Welterfolg »Good Bye Lenin!« (2003) erinnert. Das Starensemble, darunter Charly Hübner, Daniel Brühl und Jürgen Vogel, nimmt genüsslich den Medienbetrieb auf die Schippe. Vor allem würdigt die Romanverfilmung all jene Underdogs, deren Heldentat darin bestand, von den Zeitläuften nicht zerrieben zu werden.

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Schlagwörter: Berlin DDR
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