Gott wird Wort
Seit zwölf Jahren lebe ich als katholischer Ordensmann mit süddeutschen Wurzeln in Leipzig. Auf einem Feld fühle ich mich immer noch als »Ausländer«: Wenn die Rede auf Religion, Glaube oder Kirche kommt, kann ich mich oft nicht verständlich machen. Als bei einer Umfrage in Leipzig Passanten gefragt wurden, ob sie evangelisch oder katholisch seien, antworteten die meisten: »Ich bin normal!« Man kann sich mit den meisten Leipzigern gut über die Welt unterhalten. Wenn die Sprache aber auf religiöse Themen kommt, verstummt der »homo areligiosus Leipzigensis« – so wie ich verstumme, wenn jemand über ein mir nicht bekanntes Gebiet fachsimpelt. Es ist wie bei Kindern, die manche Worte aus dem Gottesdienst falsch verstehen, weil sie ihnen nicht vertraut sind. Dann wird aus dem Samariter ein »zahmer Ritter«. Die drei Sterndeuter bringen Gold, Weihrauch und Möhren. Unter Pontius Pilatus, einer tödlichen Krankheit mit einem lateinischen Namen, sind damals viele gestorben. Und ein Märtyrer – das ist ein Mehr-Türer, also ein Auto mit mehreren Türen.
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Andreas Knapp, geboren 1958, war Studentenpfarrer und Leiter des Freiburger Priesterseminars, ehe er sich der Gemeinschaft der »Kleinen Brüder vom Evangelium« anschloss. Er verzichtete auf eine kirchliche Karriere und entschied sich für ein Leben als Arbeiterpriester in der Spiritualität von Charles de Foucauld. »Ich wollte freier und sozialer leben«, sagt er rückblickend. Knapp arbeitete als Putzkraft und Saisonarbeiter in den sozialen Brennpunkten von Paris, Neapel und Bolivien. Heute lebt er mit zwei Ordensbrüdern in einem Leipziger Plattenbau und engagiert sich in der Gefangenenseelsorge. Im März erhielt er den »Herbert Haag-Preis für Freiheit in der Kirche«.
