Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
»Das ist ungerecht!« Der Satz gehört zu den Top Ten der häufigsten Äußerungen am Familientisch. Man kann der Klage Abhilfe verschaffen, indem man Spaghettisauce nachschöpft, Schokolade nach Rippchen verteilt oder Chipsportionen auf der Küchenwaage abmisst. Schwieriger wird es bei nichtmateriellen Fragen: zum Beispiel, wer wie lange aufbleiben darf. Und sobald es ins Grundsätzliche geht, wird es fast unmöglich. Die ungerechte Verteilung von Reichtum, Bildung und Ressourcen schreit zum Himmel. Kein Wunder, dass die Propheten Gott als Sonne der Gerechtigkeit herbeisehnten. Aber woher kommt es, dass wir überhaupt eine Vorstellung von Gerechtigkeit haben? Ist das ein evolutionäres Erbe, das uns mit den Tieren verbindet, oder eine Eigenschaft, die wir durch Erziehung und im gesellschaftlichen Diskurs erwerben müssen? Und wie organisiert man Gerechtigkeit über Grenzen und Völker hinweg? Über die verschiedenen Sphären der Gerechtigkeit und die Schlussfolgerungen für unser Zusammenleben diskutieren die Philosophin Angela Kallhoff und der Arzt, Informatiker und Wirtschaftswissenschaftler Christian Thielscher ab Seite 30.
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Michael Schromist Leiter des Ressorts »Religion und Kirchen«.
