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Angst

In der Gesellschaft rumort es: Ein Gefühl wird politisch
von Anne Strotmann vom 07.09.2018
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Da kriegt man langsam wirklich Angst.« Frau S. wohnt in der gleichen Straße wie meine Eltern, schon seit den 1960er-Jahren. Da sah es hier noch anders aus. Das Haus, in dem mein Vater groß wurde, war umgeben von Feldern. Dann durchschnitt die Autobahn die Landschaft, rings um die Einfamilienhäuser wuchsen Hochhäuser. Heute steht Frau S. am Zaun und sorgt sich. Um die Buchsbäume, die von diesem grässlichen Zünsler befallen sind. Um ihre Wertsachen, denn in der Sparkasse wurden vor ein paar Tagen die Tresore geknackt. Und dieser heiße Sommer, die schrecklichen Waldbrände. »Die Welt wird immer schlimmer«, sagt sie und korrigiert sich schnell: »Also nicht die Welt, die Menschen werden immer schlimmer.« Frau S. geht jede Woche in die Kirche. Sie ist eine wache, freundliche Frau, verzagt kam sie mir nie vor. »Aber man kann ja wirklich Angst kriegen«, sagt sie nun schon zum dritten Mal und senkt ihre Stimme, als sie sich zu mir herüberbeugt und gesteht: »Da bin ich froh, dass ich schon so alt bin.« Ich lächle verzweifelt. Denn was sollen die Jüngeren anfangen mit ihrer Angst?

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