Neumodisch oder evangelisch?
Mit sechs kritische Thesen meldet sich die evangelische Johanniskirchengemeinde Bonn-Duisdorf zum Reformprozess in der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) zu Wort. Angestoßen hat den Prozess der frühere Ratsvorsitzende der EKD, Bischof Wolfgang Huber: Seine Kirche sollte wegen sinkender Mitgliedszahlen umgemodelt und nach Vorbildern aus der Wirtschaftswelt modernisiert werden. Hierfür gewann Huber Alliierte im EKD-Kirchenamt wie den durchsetzungsstarken Oberkirchenrat Thies Gundlach sowie im gewählten Rat der EKD die Deutsche-Bank-Direktorin Marlehn Thieme. Während Huber auf dem von ihm initiierten EKD-Zukunftskongress in der Lutherstadt Wittenberg Ende Januar 2006 viel Zustimmung für sein Vorhaben fand, das die Pfarrerschaft und die Gemeinden aus dem herkömmlichem Trott reißen sollte, werten Kritiker Hubers Projekt als Anpasserei ans höhere Bürgertum, an urbane Moden und an die Wettbewerbsideologie. So drohe die Kirche die befreiende Kraft des Evangeliums zu verlieren.
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