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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 14/2020
Der fragile Mensch
Ein Mängelwesen strebt nach gottgleicher Macht und zerstört sich selbst 
Der Inhalt:

»Gott führt uns durch die dunkle Nacht«

von Kristin Shi-Kupfer vom 05.08.2020
China setzt Hongkong immer mehr unter Druck. Seit dem 1. Juli ist das Sicherheitsgesetz in Kraft. Es dient vor allem dazu, Oppositionelle zu unterdrücken. Religiöse Gruppen in Hongkong ringen mit ihrer Rolle im Kampf um die Demokratie.
Hongkong: Eine Gruppe von Christen demonstriert gegen das Auslieferungsgesetz. (Foto: pa/reuters/Danish Siddiqui)
Hongkong: Eine Gruppe von Christen demonstriert gegen das Auslieferungsgesetz. (Foto: pa/reuters/Danish Siddiqui)

Sie üben deutliche Kritik am neuen nationalen Sicherheitsgesetz, das am 1. Juli in Kraft getreten ist. Sie rufen dazu auf, gegen Chinas wachsenden Druck auf Hongkong zu protestieren – und dann dies: »Wir bieten bereitwillig unsere aufrichtige Buße vor dem Herrn an. Seit 1997 haben sich die Kirchen in Hongkong zu sehr auf ihre inneren Angelegenheiten konzentriert.« Diesen offenen Brief, initiiert vom Glorious Worship Ministry, einer überkonfessionellen christlichen Bewegung in Hongkong, haben am 20. Juli rund 3500 Christen online unterschrieben.

Das Eingeständnis eigener Versäumnisse ist in der Hongkonger Politik ein Novum. Dass es von Christen kommt, ist auf den ersten Blick nicht ungewöhnlich. Bekennende Christen prägten die Occupy-Central-Bewegung von 2014 entscheidend mit, so auch der Hongkonger Juraprofessor Benny Tai oder der frühere Kopf der prodemokratischen Partei Demosistō, Joshua Wong. Unterstützung durch christliche Gemeinden war jedoch zu dieser Zeit die Ausnahme. Pastoren riefen zum Gehorsam gegenüber weltlichen Autoritäten auf, die Gott eingesetzt habe. Andere Gemeindeleiter vermieden das Thema Politik ganz.

2019 änderte sich dies. Christen gaben sich bei den Protesten gegen das geplante Auslieferungsgesetz – das Hongkong dazu zwingen soll, verdächtige Personen Chinas Justiz zu übergeben – mitten unter den Demonstranten deutlich zu erkennen: Sie trugen große Kreuze, sie veranstalteten Pressekonferenzen zur Verurteilung von Polizeigewalt. Das Lied »Sing Hallelujah to the Lord« avancierte sogar zur inoffiziellen Hymne der Protestierenden. Kirchengemeinden zogen nach: Freiwillige aus verschiedenen Gemeinden verteilten Wasser an Demonstranten, manche stellten sich

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