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Theater
Proben für Ungehorsam

In der Uraufführung »Die Ungehorsamen« in Aachen wird das Theater zum Plenum. Plötzlich hören sich Menschen einander zu. Und Suppe gibt es auch.
von Birgit-Sara Fabianek vom 25.03.2026
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Foto: Sandra Borchers
Foto: Sandra Borchers

Theater. Im Foyer wartet eine Klimaaktivistin. Sie freut sich, dass so viele gekommen sind, um das Baumhausdorf im Hambacher Forst zu erleben. Man folgt ihr ins Mörgens, die kleinste Spielstätte des Theaters Aachen, den »Spielraum für alle« – und ist schon mitten im Geschehen.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 6/2026 vom 27.03.2026, Seite 55
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»Die Ungehorsamen« ist eine Uraufführung von Manuel Waltz und Marcel Raabe. Das Thema: ziviler Ungehorsam. Doch statt ihn vorzuführen, probiert das Ensemble ihn aus. Währenddessen schnippelt es mit den Zuschauern Kartoffeln und Karotten für eine Suppe, wie es in einem Protestcamp üblich ist. Sechs Schauspielerinnen und Schauspieler spielen eine Seenotretterin, einen Klimakleber, einen Soldaten, der einen Befehl verweigert, Lokführergewerkschaftschef Weselsky und einen wütenden, aber nachdenklichen Bauern. Die Schauspieler wechseln die Rollen, bleiben aber immer sie selbst: Menschen, die mit den Autoren recherchiert haben, keine Experten, die das Publikum belehren. Sie versuchen, den verschiedenen Standpunkten gerecht zu werden. Langsam erfüllt der Duft der Suppe den Raum.

Elina Schkolnik, eine der Schauspielerinnen, greift zum Mikrofon und geht ins Publikum. Sie fragt: »Wann waren Sie zuletzt ungehorsam?« Eine Lehrerin antwortet, sie habe im Schulalltag oft Gesetze gebrochen, um Demokratie und Klimaschutz zu fördern – ohne dass es jemand bemerkt habe. Einige heben zustimmend die Hände, andere lachen, manche nicken.

Würden Sie das Gesetz brechen? Nur demonstrieren? Oder lieber vom Fenster aus zuschauen? Das Publikum positioniert sich zu diesen Fragen im Raum. Wer möchte, erklärt seinen Standpunkt. Plötzlich hören Menschen einander zu – auch denen, die anders denken. Für einen Abend wird das Theater zum Plenum. Und wer mag, bleibt zum Essen.

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