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Grüner Wasserstoff
Wohlstand aus Afrika

Deutschland will die Energiewende mit grünem Wasserstoff aus afrikanischen Ländern vorantreiben. Davon sollen am Ende beide Seiten profitieren. Ist die Idee ein klimapolitischer Segen – oder ein neokolonialer Fluch?
von Nana Gerritzen vom 15.03.2023
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Unendliche Weite und Sonne satt: Megaprojekte wie der Solarpark Benbanin Ägypten sind bisher die Ausnahme auf dem Kontinent (Foto: PA/Photothek/Ute Grabowsky)
Unendliche Weite und Sonne satt: Megaprojekte wie der Solarpark Benbanin Ägypten sind bisher die Ausnahme auf dem Kontinent (Foto: PA/Photothek/Ute Grabowsky)

Die Bewältigung des Klimawandels sei eine Menschheitsaufgabe, sagte Bundesforschungsministerin Bettina Stark-Watzinger Ende Februar. Der Anlass: eine von ihr ausgerichtete Festveranstaltung zum 10-jährigen Bestehen zweier afrikanischer Klimakompetenzzentren. Neun afrikanische Ministerinnen und Minister waren ihrer Einladung gefolgt, bei dem Termin wurde auch eine gemeinsame Absichtserklärung zum Aufbau einer globalen Lieferkette für grünen Wasserstoff unterzeichnet. »Afrika ist dafür bestens geeignet«, schwärmte die Ministerin. Nicht nur Stark-Watzinger gerät beim Thema Wasserstoff aus Afrika ins Schwärmen. Seit einigen Jahren gilt grüner Wasserstoff aus Afrika als der zentrale Hoffnungsträger für die Energiewende in Deutschland. Verstärkt wurde der Wunsch nach Energiepartnerschaften mit Afrika seit der durch den Krieg in der Ukraine ausgelösten Energieunsicherheit. Grüner Wasserstoff gilt als wichtige Alternative zu Gas, Öl und Kohle und soll fossile Brennstoffe in der Schwerindustrie oder im Flugverkehr ersetzen – dort, wo eine direkte Elektrifizierung nicht möglich ist. Das hochentzündliche Gas wird durch Elektrolyse gewonnen, unter Einsatz von erneuerbarer Energie wird Wasser in seine Bestandteile Sauerstoff und Wasserstoff zerlegt. Weil die hiesige Produktion auch mangels erneuerbarer Energiequellen zu teuer wäre, soll der in sonnen- und windreichen Ländern Afrikas CO2-neutral produzierte Wasserstoff den deutschen Energiebedarf klimafreundlich decken, ohne den im globalen Vergleich hohen deutschen Energiebedarf senken zu müssen. Verkürzt könnte man sagen: Deutschland hofft, mit afrikanischer Hilfe seinen Wohlstand zu erhalten. Nebenbei sollen die afrikanischen Länder, die Energiepartnerschaften mit Deutschland eingehen, auch selbst von dem Aufbau einer Wasserstoff-Wirtschaft in ihren Ländern profitieren. Vor Ort sollen dringend benötigte Arbeitsplätze entstehen und die lokale Energieversorgung verbessert werden. Im Dezember reiste Bundeswirtschaftsminister Robert Habeck mit einer Delegation aus Politikern und Unternehmern nach Namibia und Südafrika, um künftige Kooperationen im Bereich grüner Wasserstoff auszuloten. In den kommenden Jahren sollen Milliarden an Investitionen fließen.

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