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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 2/2019
Regt! Euch! Ab!
Analyse einer gereizten Gesellschaft
Der Inhalt:

Wer bin ich und warum?

von Gunhild Seyfert vom 25.01.2019
Mit der Typenlehre des Enneagramms versuchen Menschen sich selbst und andere besser zu verstehen. Ein Seminarbericht

Eine Reise nach innen – um sich und andere besser zu verstehen. Das ist das Ziel eines Kurses im Geistlichen Zentrum Kloster Bursfelde an der Weser, zu dem Julia Gredor sich in einer kritischen Lebensphase angemeldet hat. Jetzt sitzt die 45-Jährige leicht angespannt in einem großen Stuhlkreis mit zwanzig anderen Menschen: »Ich muss mich neu orientieren, beruflich und vielleicht auch privat«, sagt sie in der Vorstellungsrunde. »Aber bislang habe ich noch keine Entscheidungen getroffen. Ich glaube, ich möchte erst mal mehr wissen, auch von mir selbst, wie ich eigentlich so ticke.« An diesem Wochenende will es die leise und eher zurückhaltende Frau hier versuchen, beim Seminar »Einführung in das Enneagramm«.

Das Enneagramm gilt als eine alte Weisheitslehre aus dem Orient. Seit einigen Jahrzehnten wird sie auch in der christlichen Seelsorge und in der geistlichen Begleitung eingesetzt. Ziel ist es, durch ein neues Verständnis für die eigenen Kräfte, Motive und Versuchungen eine spirituelle Entwicklung anzustoßen und letztendlich zu einem erlösteren Menschen zu werden.

Das Modell beschreibt neun verschiedene Charaktertypen von Menschen, die nach bestimmten Grundmustern fühlen und handeln (siehe Kasten). Wer sich selbst einem Persönlichkeitsmuster zuordnen kann, erfährt damit auch etwas über seine innere Verfasstheit, die tieferen Gründe für sein eigenes Verhalten – und auch für sein spezifisches Dilemma und die Fallen, in die er oder sie immer wieder tappt. Diese fein differenzierten neun Grundmuster werden jeweils drei leiblichen Energiezentren zugeordnet: Herz, Kopf und Bauch.

Julia Gredor, die eigentlich anders heißt, aber ihren Namen nicht in der Zeitschrift lesen möchte, hat ihre Augen fest geschlossen. Die Reise zu sich selbst beginnt bei diesem Enneagramm-Seminar, das das Ehepaar Inge und Ludger Temme hier im Kloster Bursfelde leitet, mit einer Imaginationsübung. »Nimm dein Herz körperlich wahr. Hörst du, wie es schlägt?«, fragt Ludger Temme mit freundlicher Stimme. »Fühlst du dich hingezogen zu anderen Menschen?« Temme, der hauptberuflich als Geschäftsführer in einem Altenheim der Diakonie arbeitet, gibt solche Seminare zweimal jährlich, zusammen mit seiner Frau, einer Lehrerin. Auf ihrer imaginierten Reise führt er die Teilnehmerinnen und Teilnehmer nun weiter in den Kopf und schließlich in den Bauch: Lie

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