Zur mobilen Webseite zurückkehren
Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 5/2020
Menschen statt Grenzen
Wie eine Feministische Außenpolitik die Welt verändern könnte
Der Inhalt:

Die Popmusik hat resigniert

von Konrad Lehmann vom 24.03.2020
Die Gegenwart rockt nicht: Die aktuelle Musik ist glatt, gefühllos und unpolitisch
Als der Rock noch wütend war: Jimi Hendrix (Foto: pa/Reddemann)
Als der Rock noch wütend war: Jimi Hendrix (Foto: pa/Reddemann)

Musik wandelt sich, und das ist gut so. Wie jede Kunst muss sie ihre Zeit spiegeln. Einen Künstler, der jahrzehntelang dasselbe produziert, würden wir nicht kreativ finden, sondern gestrig. Doch im Wandel der Popmusik in den letzten Jahrzehnten gibt es zwei unschöne Tendenzen: Sie wird schlechter. Und sie wird gefühlloser.

Nein, das sind keine Geschmacksurteile. Den Qualitätsverlust kann man messen: Die Harmonik wird schlichter, die Spanne an Klangfarben und Dynamik wird enger, und die Texte wiederholen sich immer stärker. Instrumentalisten werden durch Computer ersetzt, Gesangstalent durch automatische Tonhöhenkorrektur, die sogenannten Autotunes. Noch schlimmer aber wiegt der Gefühlsverlust. Musik ist die Sprache der Gefühle, und Gefühle sind der Antrieb unseres Handelns. Indem die Gefühle die Gegebenheiten der Umwelt reflektieren, bringen sie die Gegenwart in Bezug zu den handelnden Menschen. Aus Welt wird Umwelt, aus Physik Moral. Gefühle motivieren uns, Ziele zu verfolgen und Missstände zu bekämpfen. Gefühle halten uns am Leben.

Die aktuelle Musik ist oberflächlich und unentschieden

Studien aber stellen fest, dass Poplieder immer elektronischer, »entspannter« und »tanzbarer« werden. Dass erhöhtes Tempo mit mehr Moll einhergeht, nennen ihre Verteidiger »ambivalent« – man könnte es aber auch oberflächlich und unentschieden nennen. Eine zupackende Melancholie, eine zielstrebige Resignation. Denn Muße kann sich niemand erlauben.

Mitreißende Gefühle aber sind weitgehend verschwunden, gemeinsam mit dem Genre, das dafür prädestiniert ist: dem Rock. Er macht einen immer geringeren Teil der gespielten Songs aus. Rock war die Musik der Leidenschaft. Roc

PFplus

Weiterlesen mit Publik-Forum Plus:

Digital-Zugang
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen
Digital-Zugang für »Publik-Forum«-Print-Abonnenten
  • Ergänzend zu Ihrem Print-Abonnement
  • Alle über 20.000 Artikel auf publik-forum.de frei lesen und vorlesen lassen
  • Die aktuellen Ausgaben von Publik-Forum als App und E-Paper erhalten
  • 4 Wochen kostenlos testen