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Dieser Artikel stammt aus
Publik-Forum, Heft 13/2020
Der Gott von gestern
Warum die Kirchen in der Krise sprachlos sind
Der Inhalt:

Wenn der WG-Haussegen schief hängt

vom 27.07.2020
Von einer Priorin bekam unsere Kolumnistin Katharina Müller-Güldemeister Tipps für das Zusammenleben in Corona-Zeiten. Für jenes mit ihrem Mitbewohner half ihr das wenig
Was ist der WG-Code für »Pssst – ich bin nicht in Quatschlaune«? (Foto: istockphoto/CoffeeAndMilk)
Was ist der WG-Code für »Pssst – ich bin nicht in Quatschlaune«? (Foto: istockphoto/CoffeeAndMilk)

Vor Ostern habe ich eine Klostervorsteherin um Tipps gebeten, wie man besser mit dem zurückgezogenen Leben in Gemeinschaft zurechtkommt. Denn die Kontaktbeschränkungen bedeuteten ja nicht nur, dass wir viele Menschen nicht sehen durften, sondern auch, dass wir manche mehr sehen mussten.

Mit meiner Mitbewohnerin in der Wohngemeinschaft war das wundervoll. Wir kochten gemeinsam, schauten Filme und paddelten mit dem Faltboot auf der Weißen Elster. Zwischen mir und unserem neuen Mitbewohner knirschte es dagegen. Häufig ließ er mein »Guten Morgen« unbeantwortet im Raum stehen. Was ihn bewegt, erfuhr ich oft nur, weil er gerne telefonierend durch die Wohnung lief. Da hörte ich etwa, dass er sauer war, weil wegen Corona sein Kneipenwochenende ausfiel, für das er mit Kumpels nach Riga jetten wollte. Während er sich kürzlich noch über die Billigflüge gefreut hatte, ärgerte ihn nun der Aufwand, die fünfzig Euro zurückzubekommen. Und statt billige Zigaretten aus Riga zu importieren, drehte er aus Kostengründen nun selbst. Könnte ja sein, dass er als Ingenieur einer systemrelevanten Firma noch in Kurzarbeit landet.

Da konnte ich mir die klösterliche Regel, in bestimmten Räumen und Zeiten zu schweigen, auch für meine WG vorstellen. »Durch die Regeln weiß ich genau, wo und wann ich meine Mitschwestern anspreche«, sagte die Priorin, »wichtig ist auch gegenseitiges Wohlwollen.« Es sei die Hauptzutat von dem, was man in ihrer dänischen Heimat »hyggelig« nennt. »In Dänemark geht alles nicht so genau zu.« Manchmal vergesse der Nachrichtensprecher, den richtigen Knopf zu drücken. Dann sehe man ihn zwar, aber man höre ihn nicht. »So etwas nehmen die Dänen ganz locker.«

Dinge locker zu nehme

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