Welche Taufe soll es sein?
Petra Müller (Name geändert): Ich bin evangelisch-methodistisch, mein Mann ist katholisch. Wir stehen vor der Frage, wie wir unser Kind taufen lassen. Uns beiden ist die jeweils andere Kirche fremd. Für mich sind katholische Gottesdienste düster, festgefahren, es gibt keinen Platz für Neues. Die Kommunion ist für ein neunjähriges Kind noch nicht richtig greif- und verstehbar, finde ich. Meinem Mann fehlt hingegen das Feierliche, Tiefgründige in einem evangelischen Gottesdienst, alles sei so »wischiwaschi«. Wo können wir in dieser Frage Rat bekommen?
Markus Dobstadt: Es ist noch gar nicht lange her, dass die Kirchen bei einer Feier im Magdeburger Dom auf höchster Ebene ihre Bereitschaft erklärt haben, die Taufe wechselseitig anzuerkennen. Am 29. April 2007 haben elf Kirchen eine entsprechende Erklärung unterzeichnet. Zwischen einzelnen evangelischen Landeskirchen und katholischen Diözesen hatte es zuvor nur regionale Vereinbarungen gegeben.
Magdeburger Erklärung
In der Magdeburger Erklärung der Konfessionen heißt es: »Trotz Unterschieden im Verständnis von Kirche besteht zwischen uns ein Grundeinverständnis über die Taufe.« Sie wird zudem als »Ruf an die Kirchen« verstanden, »ihre Trennungen zu überwinden und ihre Gemeinschaft sichtbar zu manifestieren«.
Die Trennung ist aber bekanntermaßen bis heute noch nicht überwunden. Und so stehen gemischtkonfessionelle Paare, wenn sie Kinder bekommen, immer wieder vor der Frage, welche Konfession sie ihrem Kind mitgeben sollen. Für manche wird das zu einem schweren Problem, denn für viele ist Kirche auch Heimat, entsprechend empfinden sie die Gemeinde der anderen Konfession als fremd und können sich nicht vorstellen, dass dort ihr Kind gut aufgehoben ist. Was können Sie also tun?
»Ich würde Sie fragen, wer von Ihnen beiden in seiner Gemeinde stärker verwurzelt ist«, sagt Hans-Ulrich Hofmann, Pastor einer evangelisch-methodistischen Gemeinde in Frankfurt. Dort sollten Sie dann hingehen. Dass Gläubige »hin- und her pendeln kenne ich nicht als positive Erfahrung«, sagt Hofmann.
»Gehen Sie eine Weile in jede Gemeinde«
»Die Entscheidung dürfen wir den Eltern nicht abnehmen«, sagt Johannes Peter Paul, Pfarrer der katholischen St. Bonifatius-Gemeinde in Hamburg Eimsbüttel. Die Taufe ist »das Eintrittsbillett« ins Christsein. Und von daher wichtig. Er rät dem Paar: »Gehen Sie eine Weile in jede Gemeinde, reden Sie mit den Menschen.« Die Entscheidung könne langsam wachsen. Einem Paar, das vor einer ähnlichen Frage stand, sagte er: »Wer ist stärker in seiner Kirche beheimatet? Dann gehen Sie diesen Weg«, riet auch Paul. Er hält es für wichtig, dass ein Paar sich letztlich in einer Gemeinde seinen Platz sucht: »Seien sie irgendwo beheimatet«, rät er. Es gehe darum, dem Kind gegenüber authentisch zu sein. Er hält nichts davon, wenn Eltern ihr Kind nicht taufen lassen, weil sie ihm die Entscheidung nicht vorgeben wollen, ihm danach aber nichts mehr an die Hand geben: »Wie kann ich mich entscheiden, wenn ich nicht Vorbilder habe?«, fragt er und denkt an seine Kindheit in der DDR und seine Eltern, die ihm gesagt haben: »Wir waren nicht braun, wir sind nicht rot, wir sind Christen«. »Ein Glück, dass sie so klar waren«, sagt der Katholik.
Da die Kirche die Taufe untereinander anerkennen, ist eine Entscheidung für eine Konfession nicht endgültig. Ein späterer Wechsel bleibt möglich. So berichtet Paul von ungetauften Kindern, die in den Kommunionunterricht kommen und erst kurz vor der Erstkommunion getauft werden. Oder auch von evangelischen Kindern, die sich für den Kommunionunterricht und die Katholiken entscheiden, weil auch die Freundin dort hingeht. So viel Flexibilität bieten die Konfessionen inzwischen schon. Dank des Festaktes im Magdeburger Dom vor fünf Jahren.
Weitere Informationen: Unter Umständen können konfessionelle Ehe- und Familienberatungsstellen Rat geben. Über die Internetseiten lassen sich Beratungsstellen vor Ort finden, es wird auch online-Beratung angeboten:
