Leben mit der Trauer
Claudia L. aus München: Mein Mann ist vor kurzem nach schwerer Krankheit gestorben. Jetzt bin ich in ein Loch gefallen. Ich gehe kaum noch unter Leute, kann nicht mehr arbeiten und habe Angst, krank zu werden. Was kann ich tun?
Monika Herrmann: Trauer ist etwas sehr Individuelles, man kann sie zeitlich nicht begrenzen, nicht in irgendwelche Muster pressen, aber es hilft, sich mit anderen darüber auszutauschen. Professionelle Trauerbegleiter, aber auch Psychologen und Ärzte raten deshalb dazu, sich Hilfe zu suchen. Trauergruppen gibt es in vielen Kommunen und Kirchengemeinden, aber auch in Hospizen und sogar in manchen Bestattungsinstituten.
Das »neue Leben« lernen
Dort treffen sich Trauernde, die lernen wollen, wie sie ihr »neues Leben« angehen können. »Warum soll ich da hingehen und vielleicht mit anderen um die Wette weinen?«, werde er manchmal gefragt, erzählt der evangelische Diakon und Soziologe Karl Griese. Er begleitet seit Jahren Trauernde und kennt ihre anfänglichen Berührungsängste. »Wenn sie jedoch erleben: es geht mir nicht allein so, wenn sie erfahren: ich bin weder krank, noch verrückt geworden, ich muss mich nicht dafür schämen, dass ich so bin wie ich gerade bin, dann machen sie einen wichtigen Schritt in Richtung Leben nach dem Verlust«, sagt Griese.
Solche Trauergruppen sind keine geschlossenen Kreise, sondern offen auch für jene, die unmittelbar nach dem Tod eines Angehörigen neu dazukommen wollen. Neue Teilnehmer hören meist erst einmal zu und fühlen sich langsam ein in die Trauerbewältigung der anderen. Manchmal dauert es ein paar Wochen oder Monate, ohne dass sie von der eigenen Trauer reden, aber erfahren haben: Hier kannst du weinen, von deinem Kummer erzählen, von deiner Verlassenheit, ohne dass dies jemanden stört. Denn alle sind gleich betroffen.
Manchmal entstehen Freundschaften in der Gruppe. Griese hat viele Menschen in ihrem Schmerz begleitet. Er weiß, dass beim Verlust eines sehr nahen Angehörigen die Trauer bleibt, dass sie sich aber verändert, erträglicher wird.
Gemeinsam kochen und essen
Eine originelle Trauerbegleitung bietet der Berliner Bestatter Marcus Siekmann an. »Trauerkochen« heißt sein Konzept. Das heißt: Gemeinsam kochen und essen und immer wieder sich erinnern an die Verstorbenen – dazu lädt er Hinterbliebene in sein Bestattungsinstitut ein. »Weil ich erfahren habe, dass Trauernde die nach dem Tod des Partners allein sind, oft aufhören zu essen«, begründet er sein Angebot. In anderen Instituten treffen sich Hinterbliebene ganz zwanglos zu Kaffee und Kuchen, einfach so.
Frauen und Männer trauern unterschiedlich. »Männer schämen sich, in einer Trauergruppe Hilfe zu suchen. Sie weinen auch, aber nicht in der Gruppe, sie verschließen sich in ihrer Wohnung oder gehen in die Eckkneipe«, so die Erfahrung von Karl Griese. Glück für sie, wenn sie jemanden haben, der sie mit einer Trauergruppe bekannt macht. Horst G. hat auch lange gebraucht, bis er nach dem Tod seiner Frau den Weg in einer Trauergruppe fand. »Aber jetzt kann ich die Eckkneipe vergessen«, sagt er und berichtet, dass er sich manchmal mit einer sehr netten Dame trifft. Weil das Leben doch weiter gehen muss, denkt er.
Weitere Informationen:
Die evangelische Kirche bietet unter www.trauernetz.de Ansprechpartner für Trauernde. Zwei Pfarrerinnen sind telefonisch zu erreichen. Eine Adressdatenbank ermöglicht, Angebote für Trauerbegleitung zu finden.
Für eher praktische Fragen rund um die Themen Tod und Trauer ist das Portal www.am-lebensende.de hilfreich. Dort sind Bestattungsinstitute, Friedhofsgärtnereien, Steinmetze, Hospizeinrichtungen, Trauerredner zu finden, auch Foren von Trauernden sind darüber zu erreichen.
Informationen über Trauergruppen bieten auch Klinikseelsorger, Ärzte, Hospizen, Bestattungsinstitute und Kirchengemeinden.
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