»Wir könnten diese Welt verändern«
Es traf ihn wie ein Blitz, sagt Sigmar Petry: »Ich hatte einfach eine Intuition, in dem Augenblick, wo ich den Artikel in der Zeitschrift gelesen hatte, hab? ich gewusst: Das muss ich machen. Ich wollte ein bisschen aus meinem Gefängnis ausbrechen, speziell das Gefängnis, in dem ich durch meine Herkunft, mein Leben, meine Klasse sozusagen eingebunden bin, das Gefängnis der Sicherheit, der Planbarkeit des Lebens, der Vernunft.« Als Sigmar Petry sechzig wurde, arbeitete er als Entwicklungsingenieur in der Telekommunikation gerade an einem hochinteressanten Projekt, aus dem er herausgerissen wurde, weil eine Krankheit drohte, ihm das Augenlicht zu nehmen. Nach elf erfolglosen Operationen stand er vor der völligen Erblindung. Sigmar Petry beantragte mit schwerem Herzen seinen vorzeitgen Ruhestand, denn: »Was will man mit einem Ingenieur, der nichts sieht?« Eine zwölfte Augenoperation sollte ein letzter, verzweifelter Versuch sein; die Chancen standen eins zu hundert. Als er aus der Narkose erwachte, sah er die Welt wieder mit zwei Augen, und diese Welt sah für ihn plötzlich ganz anders aus: »Ich bin dankbar, dass ich damals krank geworden bin, denn sonst wäre ich bis vor kurzem in dem Arbeitsstress geblieben und hätte ganz wenige Möglichkeiten gehabt, etwas anderes zu überlegen. Und ich bin immer wieder überrascht, wie Dinge, die sich zuerst als schauderhaft darstellen, zuletzt segensreich sind. Ich denke auch, dass man in seinem Leben Bilder sammelt, und wenn ich später vielleicht nichts mehr sehen kann und nichts mehr außen erleben kann, dann ist das ein Schatz, von dem ich zehren kann.«
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