Guckt nicht so blöd
Mit einem 10-kg-Schlaghammer haben wir die letzten zwei Jahre das komplette Haus auseinandergemacht. Es waren zum Schluss nur noch vier Wände da. Jeder hat uns damals mit Recht den Vogel gezeigt, aber heute ist es das schönste Haus auf der Insel.« Danuta Waskiewicz aus Würzburg war 2001 erste Solo-Bratschistin bei den Berliner Philharmonikern und ist vor zwei Jahren mit ihrem Freund auf die Azoren gezogen, um dort Zementsäcke zu schleppen und Bäume zu pflanzen. Der Plan ist, eines Tages Selbstversorger zu sein - dort auf den Azoren, wo die Uhren langsamer ticken und das Lebensgefühl gesünder ist. Warum sie bei den Berliner Philharmonikern nach vier Jahren gekündigt hat - eine Stelle, von der die meisten Musiker nur träumen können? »Wenn ich jeden Tag das Gleiche esse, dann schmeckt es mir nicht mehr.« Die Zeit der Entscheidung und die entsetzten Kommentare der Kollegen hatten ihr schon zugesetzt. »Handeln ist immer schwerer als zu sagen: ?Ach komm, das geht schon, das sind ja nur noch 35 Jahre. Das machen extrem viele Leute.?« Danuta hatte aber beschlossen: »Es gibt noch mehr im Leben als Orchesterspielen.« Das viele Üben, das jahrelange Arbeiten am Instrument, die Träume für die Zukunft, alles einfach aufgeben? »Das ist kein Aufgeben. Es ist ein Aufgeben, wenn man so weitermacht, denn man gibt sich dann selber auf, man stirbt im lebendigen Zustand. Es gibt doch noch so viele andere Dinge im Leben zu sehen und zu erleben!«
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