Gastkolumne
Für Jugendliche? Bitte nicht!
Oft wundere ich mich über diese Resig nation: »Jetzt haben wir so viel in die Vorbereitung eines Jugendgottesdienstes investiert und dann sind doch nur fünf Jugendliche gekommen!« oder »Egal, was wir anstellen, wir finden sowieso keine Jugendlichen, die in unseren kirchlichen Vereinen und Gremien mitwirken«. Man möchte etwas für junge Menschen tun, man will ihnen zeigen, dass man offen ist für ihre Bedürfnisse, Interessen und Ideen und fährt trotzdem mit angezogener Handbremse durch den Alltag. Was mir viel zu selten begegnet: eine Kirche, die nicht für Jugendliche etwas macht, sondern mit ihnen. Anstatt sich im stillen Kämmerlein etwas auszudenken, die Jugendlichen von Anfang an mit ins Boot zu holen, mitüberlegen und mitentscheiden zu lassen. Mit aller Konsequenz. Nur so fühlen sich Jugendliche ernst genommen. Natürlich kann das manchmal auch eine Herausforderung sein. Was, wenn uns ihre Einfälle total gegen den Strich gehen? Wenn ihre Gebete zu salopp oder ihre Ideen für den Jugendanlass zu schrill ausfallen? Das ist die Nagelprobe. Wenn ich jungen Menschen nicht wirklich was zutraue oder von ihnen herausgefordert werden möchte, dann bin ich lieber ehrlich und lasse es gleich ganz bleiben. Denn genauso wie wir Erwachsene können Jugendliche mit einem gar nichts anfangen: einfach nur als »Alibi«-Mitwirkende dabei sein zu dürfen. Doch wäre es nicht fatal für Gesellschaft und Kirche, die unkonventionellen Zugänge, Ansichten und Fragen, die Jugendliche oft haben, ungenutzt zu lassen?
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