Leserbrief
Hingabe an die Liebe
Das Einzige, was gegen Islamismus hilft, ist Islam. Ich muss es wissen, denn wir sind eine muslimische Familie. Ich bin mit Leidenschaft evangelische Gemeindepfarrerin und liebe den Islam. Für mich gibt es nichts Besseres als die totale Hingabe an das Leben. Der schnell identifizierte Täter des Anschlags beim CSD in Berlin wurde sofort erschossen, als man ihn gefunden hatte. Niemand weiß, warum er so gehandelt hat, wie er es tat, und doch schreibt meine Kollegin: »Menschen wurden angegriffen, weil sie für Liebe einstehen. Sehr berührt hat mich die Frage auf einem Schild: ›Aus allem, was du hassen kannst, hast du dir die Liebe ausgesucht?‹« Diese vorurteilsbelastete Betrachtungsweise verstärkt meines Erachtens den Eindruck, dass »wir« das mit der Liebe immer völlig richtig machen würden und es »dem anderen« in erster Linie darum geht, zu hassen. Besonders bitter ist dieser Umgang mit dem Schlimmen, das passiert ist, weil es bei den Gottesdiensten um den CSD in Berlin-Mitte beispielsweise nicht erlaubt war, eine Kufiya zu tragen. Begründet wurde das mit der Betonung auf die Liebe, welche politische Symbole ausschließe. Die Kirche hat also die Deutungshoheit darüber, was Liebe ist und was nicht? Islam bedeutet Ergebung oder Hingabe an die Liebe, aus der alles entstanden und die grenzenlos ist. Carmen Khan, Berlin

