Leserbrief
Und die Kinder?
Immerhin kommt Angelika Walser ganz am Ende ihrer Ausführungen dann doch noch auf die Kinder von Leihmüttern zu sprechen. Es ist ja eine Binsenweisheit, dass die Beziehung des Menschen zur Welt im Mutterleib beginnt und zunächst fundamental über die Mutter und durch die Mutter hergestellt wird. Die Art der Symbiose von Mutter und Kind hat enormem Einfluss auf die spätere Entwicklung. Welche Beziehung wird eine geliehene Mutter zu einem in ihrem Leib heranwachsenden Kind entwickeln, wenn sie weiß, dass sie nur Mittel zum Zweck ist, das Kind ihr nach der Geburt genommen wird und die Beziehung abrupt abbricht? Wie ist es dem Kind möglich, Urvertrauen zu entwickeln, wenn die natürliche Symbiose nach der Geburt nicht in eine verlässliche Bindung zur Mutter übergeht? Welche Rechte werden dem Kind garantiert, zum Beispiel ein Verhältnis zu seiner leiblichen Mutter aufzubauen und zu pflegen? Ich finde es insgesamt erschreckend, wie wenig bei diesem Thema die von Leihmüttern geborenen Kinder in der öffentlichen Debatte eine Rolle spielen. Bernd Schmidt, Berg
Seit Immanuel Kant wissen wir, dass der Mensch niemals Mittel zum Zweck werden darf! Aber genau das passiert in der Leihmutterschaft, vor allem im kapitalistischen Umfeld wird das ein großes Geschäft bis hin zur Ausbeutung (siehe Ukraine und anderswo). Das ließe sich nur vermeiden, wenn alle (!) Beteiligten, also inklusive der jeweiligen Samen- oder Eizellenspender, eine Art von Patchwork-Familie bilden, die das Kind in gemeinsamer Verantwortung in das Erwachsenwerden begleiten. Der zweite Aspekt ist das Selbstbestimmungsrecht des Kindes. Nur weil das Neugeborene noch nicht sprechen und die Umstände reflektieren kann, verliert es dieses Recht nicht. Nach meinem Verständnis spricht alles dafür, dass es nach der Geburt bei dem Menschen bleiben möchte, der es neun Monate lang umhüllt, geschützt, genährt und getragen hat. Die Trennung nach der Geburt widerspricht diesem Recht. Selbst wenn Janet Harbick auf ihre natürlichen Rechte als Mutter verzichtet und kein Problem mit der Trennung vom Kind hat, so ignoriert sie doch völlig, dass auch das Kind Rechte an sie als Mutter hat. Wolfgang Heckl, Ingolstadt
Danke für die informativen Artikel. Mir fehlt allerdings ein Gedanke, der angestoßen wurde durch die Aussage, Adoption sei für viele Paare keine Option. Daraufhin habe ich mich gefragt, warum Adoption keine Option ist. Finanziell und sozial gutaufgestellte Paare dürften in Deutschland kein Problem haben, ein Kind adoptieren zu dürfen. Wenn also ein Paar nicht bereit ist, mit Menschen außerhalb der Partnerschaft zu schlafen, um ein Kind zu zeugen, und auch keine Adoption will, geht es wohl darum, die eigenen Gene weitergeben zu wollen. Und an diesem Punkt bin ich der Meinung, dass es ethisch nicht mehr vertretbar ist, wenn es nicht wirklich darum geht, Elternschaft erleben zu wollen, sondern darum, den eigenen Stammbaum aufrechtzuerhalten. Barbara Debold-Petzsch, Schwarmstedt
Im Ersten Testament/der Hebräischen Bibel gibt es einen geschilderten Fall von »Leihmutterschaft« (Genesis 16,1-15), wo Hagar, die Magd Abrahams, ersatzweise für Sarai Ismael zur Welt bringt, weil Sarai hier noch unfruchtbar ist. Ähnliches steht in Genesis 30,3: »Rahel antwortete: Da ist meine Magd Bilha. Geht zu ihr! Sie soll auf meine Knie gebären, dann komme auch ich durch sie zu Kindern.« Der Stellenwert von Nachkommen scheint hier wichtiger zu sein als die biologische Elternschaft. Die biblischen Beispiele sind für die ethische Debatte heute nicht uninteressant. Benedikt Hellenkemper, Münster

