Zwischen den Welten
Hunderte junger afghanischer Journalisten und Journalistinnen habe ich am Hindukusch ausbilden dürfen. Wissbegierige Frauen und Männer. Einige von ihnen sind mittlerweile nach Deutschland geflüchtet. War also alles umsonst? Was bleibt, wenn die Taliban die Medien an die Leine legen? Haben wir das Land an die Taliban verloren – oder die Afghanen an sie?
20 Jahre lang habe ich häufig aus Afghanistan berichtet. Kurioserweise wurden in meinen Texten mitunter Inhalte, die mir wichtig erschienen, weggekürzt. Mir wurde zugleich klar: Das Drama Afghanistan ist zu groß, um es nur in Worte zu kleiden. Mir jedenfalls reichten meine Worte nicht aus. Daher griff ich zur Kamera. Die Medieninitiative in Kabul, bei der ich vor gut 20 Jahren anfing, war kreativ und faszinierend. Radiomacher, Printjournalisten und junge Afghaninnen, die Fotografie lernen wollten, kamen dort zusammen. Mit einigen von ihnen freundete ich mich an. Lernte, ihre fotografische Sichtweise auf ihr eigenes Land zu verstehen. Ein Blick, der mir näher an der afghanischen Wirklichkeit schien als viele Arbeiten ausländischer Fotografen. So wurde aus mir ein Akteur zwischen beiden (Bild-)Welten.
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