In den Armenvierteln blüht eine Musikszene
Fast ein Drittel der Bewohner Rio de Janeiros lebt in »Favelas«, das sind Armenviertel, wo der Drogenhandel blüht und das Alltagsleben von Gewalt geprägt wird. Es gibt über 600 solcher Favelas in Rio - häufig auf den vermeintlich schönsten Anhöhen der Stadt, weshalb man in Brasilien auch von »morros«, den Hügeln, redet. Einige liegen in direkter Nachbarschaft zu bürgerlichen Stadtbezirken im Süden wie Flamengo, Copacabana oder Ipanema. Das Leben dieser Strandviertel des sogenannten »asfalto« hat mit den Lebensbedingungen oben auf den Hügeln nur wenig gemein. Für Paulo Lins, den Autor der Romanvorlage des Spielfilms »City of God«, spiegelt diese soziale Spaltung seiner Heimat die weltweit herrschenden Gewaltstrukturen: »Es ist kein Zufall, dass ein Großteil der Waffen, die im Kampf zwischen Drogenhändlern und Polizei eingesetzt werden, aus dem Ausland kommt, zum Teil auch aus Deutschland.« Vor diesem Hintergrund, der täglich mehrere Tote fordert, hat sich in den vergangenen Jahren in den Favelas eine blühende Musikszene entwickelt - der »Baile Funk«, eine Mischung aus Elektro-Beats und einem stakkatohaften Sprechgesang. Die großen Funk-Partys an den Wochenenden haben in der Südzone Rios einen schlechten Ruf, zugleich sind sie eine der wenigen Gelegenheiten, bei denen die Favela-Bewohner gemeinsam Spaß miteinander haben können - zumeist sogar friedlich. Inzwischen wird der »Baile Funk« von den Obrigkeiten der Stadt nicht mehr so unterdrückt wie noch vor einigen Jahren, und die Musik hat sich international einen Namen gemacht - vor allem, weil einige Ausländer dabei geholfen haben, ihn aus dem Getto herauszubringen, so wie MC Gringo zum Beispiel. Er ist ein Deutscher, der als einziger Ausländer direkt vor Ort im »Baile-Funk«-Geschäft mitmischt.
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