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Tradition und Touchscreen

Digitale Anwendungen wie die katholische Gebets- und Meditations-App »Hallow« und das darin integrierte KI-System »Magisterium AI« markieren einen tiefgreifenden Wandel religiöser Praxis – mit gewaltigen Folgen.
von Markus Weißer , Julia Bischl vom 23.06.2026
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(Illustration: Jens Bonnke)
(Illustration: Jens Bonnke)

Es ist 6:30 Uhr morgens. Ein Griff zum Smartphone, noch bevor der Tag richtig begonnen hat. Zwischen Nachrichten, E-Mails und Terminen erscheint eine Aufforderung: »Zeit zu beten! – Tippe hier, um deine Routine zu starten.« Ein Fingertipp, es öffnet sich eine App – schlicht gestaltet, minimalistisches Design, fast sakral inszeniert. Eine ruhige Stimme setzt ein. Sanft, professionell produziert. Minuten später zeigt ein Fortschrittsbalken an, dass das tägliche Gebet absolviert ist. Die »Gebetsserie« hält an, das »Gebetsziel« wurde erreicht, und die »gebeteten Minuten« verlängern sich. Ein erster morgendlicher Erfolg – spirituell gerahmt, technisch vermittelt. Hört sich vielleicht ungewohnt an, ist aber die Realität von mehr als 22 Millionen Gläubigen. Sie nutzen die Gebets-App Hallow. »Hallow« ist ein Verb, auf Deutsch heißt es »heiligen«.

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