Leserbrief
Die SPD und der Friede
Wie kann es sein, dass in diesem Gespräch das grundlegende und dringende Anliegen des Friedens überhaupt nicht vorkommt? Wir wissen es doch: Die immensen Finanzmittel, die in die Kriegstüchtigkeit investiert werden, rauben Möglichkeiten für den Sozialstaat und für eine intelligente Umwelt- und Klimapolitik. Mit der gegenwärtigen Regierung rüsten wir uns arm und eskalieren die Spannungen mit Russland. Es gab einen historischen Moment, in dem Hoffnung aufleuchtete für die SPD und für unser Land: das Friedensmanifest, herausgegeben vom Erhard-Eppler-Kreis. Da war ich hoffnungsfroh und habe das Potenzial für eine Wende hin zu Zukunftsfähigkeit, Solidarität, ja sogar Friedensfähigkeit gesehen. Also: mehr Willy Brandt wagen. Frieden ist nicht alles, aber ohne Frieden ist alles nichts. Oder auch mehr Papst Leo wagen. Monika Matthias, Berlin
Wenn Wolfgang Thierse betont, dass die SPD vor allem »Politik für die arbeitende Mehrheit« macht und machen sollte, dann ist er leider bereits unbewusst auf die Teile-und-Herrsche-Strategie der CDU/CSU eingestiegen! Genau diese Strategie, immer weitere Gruppen von »der arbeitenden Gesellschaft« abzutrennen – zuerst Flüchtlinge, dann »faule« Sozialleistungsempfängerinnen und Sozialleistungsempfänger, Rentnerinnen und Rentner, die »zu lange und zu gut auf Kosten der Jungen leben«, zuletzt Hausfrauen, die sich auf der Familienversicherung »ausruhen«, bald auch Behinderte, deren möglichst selbstbestimmtes Leben »die Gesellschaft« zu viel kostet –, müssten SPD, aber auch Grüne und Linke viel häufiger enttarnen und thematisieren als das, was sie ist: der Versuch, zu verhindern, dass sich diese Gruppen zusammentun gegen die (Reichen), die viel zu wenig zum Sozialsystem beitragen, und das gemeinsam ändern!
Carola Cieplik-Keukert, Aachen

