Tag der Befreiung
Der Krieg ist mit dem Kriegsende nicht zu Ende. Unter den Folgen haben auch die Nachgeborenen noch zu leiden. Ich bin während des Zweiten Weltkriegs geboren, meine ersten Erinnerungen setzen mit der Flucht aus Schlesien im Februar 1945 ein. Meine ganze Kindheit lang blieb der Krieg allgegenwärtig. Wir waren eine Generation ohne Väter; auch ich hatte meinen Vater durch den Krieg verloren. Es waren vor allem unsere Mütter, die die Last des Krieges zu tragen hatten. Die zahllosen zerstörten Familien sind wohl das Schlimmste, was der Krieg den Menschen antut. Bis heute. Weltweit. Das wirkt am längsten nach. Auch viele der Väter, die damals überlebt hatten, waren traumatisiert, waren seelische und körperliche Krüppel, litten unter dem, was sie getan oder mitangesehen hatten.
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Konrad Weiß, Dokumentarfilmer, Publizist, geboren 1942 in Lauban/Niederschlesien, wuchs bei seiner Mutter in Sachsen-Anhalt auf, nachdem sein Vater an den Folgen der Flucht 1945 gestorben war. Wegen seiner katholischen Bindung wurde er nicht für das Abitur zugelassen. Er lernte Elektromonteur und holte das Abitur auf der Abendschule nach. Von 1966 bis 1969 studierte er Regie und Kamera in Potsdam, war Regisseur beim DEFA-Studio für Dokumentarfilme. Seit 1975 war er in der DDR auch publizistisch tätig, schrieb Texte für Sänger und Liedermacher. Von 1988 bis 1990 Vorstandsmitglied von »Ak tion Sühnezeichen«. Er gründete die Bürgerbewegung »Demokratie jetzt«, für die er am Runden Tisch teilnahm. Von 1990 und 1994 war er Mitglied des Bundestages in der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen. 1992 hielt Weiß die berühmte Rede »Ich schäme mich«, in der er die Gewalttaten von Nazis gegen Ausländer und das ignorante Verhalten der CDU/CSU/FDP-Regierung harsch kritisierte.
