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Dreifaltigkeit: Glaube im Kreisverkehr?

Die Dreizahl ist eine psychische Komponente im Leben vieler Religionen und Kulturen. Die christliche Theologie zahlt heute einen hohen Preis für diese »Zwingherrschaft«
von Norbert Scholl vom 13.05.2005
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Von einer »Zwingherrschaft der Zahl« Drei spricht schon vor gut 100 Jahren der Gräzist Hermann Usener in einem Aufsatz. Und er stellt die These auf, dass die christliche Trinitätslehre entstanden sei, um »der unausweichlichen, tief im Geist des Altertums wurzelnden Forderung einer dreiheitlichen Gottheit gerecht zu werden.« Die Dreizahl ist ein uraltes Symbol der Vielheit, die sich wieder zur Einheit schließt. Wenn Zwei die Trennung und Scheidung (von der Eins) bedeutet, so ist Drei das Symbol der Wiedervereinigung, der wieder gewonnenen Ganzheit. Sie ist die Synthese des Einen und des Anderen. Darum steht sie der Eins näher als der Zwei. Denn Zwei besagt immer das Eine und das Andere, das Gegenüber-Stehende, das Gegen-Gesetzte, den Gegen-Satz, griechisch: Anti-Thesis. Drei aber ist die Wiederherstellung der Einheit, die Wieder-Zusammensetzung des Getrennten, griechisch: Syn-Thesis. Während Eins die Zahl der ununterschiedenen, undifferenzierten, in sich geschlossenen, ungeöffneten Uniformität darstellt, ist Zwei die Zahl der sich differenzierenden, sich aufschließenden Einheit. Sie wird durch die Drei vor der »Entzweiung« bewahrt und wieder zu einer Einheit verbunden - nun allerdings nicht mehr zur geschlossenen und ungeöffneten, sondern zur geöffneten differenzierten Einheit.

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