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Leserbrief
Pazifistisch, nicht passiv

vom 27.04.2026
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Es wäre gut, wenn sich Friederike Krippner und Jochen Cornelius-Bundschuh an Dietrich Bonhoeffer erinnern würden. Bonhoeffer wurde 1930/1931 zum Pazifisten – nach der Begegnung mit dem französischen Hugenotten Jean Lasserre und dessen Auslegung der Bergpredigt als Friedensbotschaft. Schon im Jahr 1932 betont Bonhoeffer: »Der Krieg ist als Mittel des Kampfes ein uns heute von Gott verbotenes Tun, weil er die äußere und innere Vernichtung der Menschheit bedeutet und so den Blick auf Christus raubt.« In einem Vortrag im Jahr 1934 sagt er: »Die Waffen aufeinander zu richten heißt, die Waffen auf Christus zu richten.« Sicherheit werde als Absicherung nationaler oder ökonomischer Interessen verstanden. »Überall wird Friede und Sicherheit verwechselt … Friede ist das Gegenteil von Sicherung. Sicherheiten fordern heißt Misstrauen haben, und Misstrauen gebiert wiederum Krieg.« Und er ruft den Zuhörern zu: »Die Stunde eilt – die Welt starrt in Waffen ..., wollen wir selbst mitschuldig werden wie nie zuvor?« Diese Feststellung hat auch heute ihre Berechtigung und muss ernst genommen werden. Gerhard Kern, Hofheim am Taunus

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 8/2026 vom 30.04.2026, Seite 62
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Wer als Christ für immer mehr Waffen und Militär eintritt, der versündigt sich letztendlich und nimmt auch nicht wahr, dass eine deutliche Mehrheit in unserem Land genau das nicht, sondern Frieden will. Claus Hörrmann, Neustadt

Ich habe den Eindruck, die Diskutanten verwechseln »pazifistisch« mit »passiv«. Wer sich gegen Gewalt entschieden hat, sucht sich ja keine gemütliche Nische, um darin zu »überwintern«. Es kann durchaus sein, dass er – oder sie – im wahrsten Sinne des Wortes den Kopf hinhalten muss. Um nicht missverstanden zu werden: Das heißt nicht, dumm und selbstmörderisch zu sein, schon gar nicht, andere vorzuschicken. Viele gescheite Menschen haben Methoden entwickelt, Kriege im Vorfeld nach Möglichkeit zu vermeiden, und, wenn sie denn ausgebrochen sind, Aggressoren zu sabotieren. Natürlich begeben sich Menschen, die im Ernstfall mit der Waffe kämpfen, in Lebensgefahr – aber der Militärapparat bietet auch einen gewissen Schutz. Einen Schutz, den Menschen, die sich gegen Gewalt entschieden haben, nicht haben. Sabina Jarosch, Harburg

Friederike Krippner bringt die »atomare Teilhabe« mit mehr Sicherheit zusammen. Ich wohne in der Eifel, nicht weit vom Fliegerhorst Büchel und sehe das anders. Dort lagern 20 US-Atomsprengköpfe, die im »Ernstfall« von Jägern der Bundesluftwaffe auf Ziele abgeworfen werden, deren Koordinaten US-Amerikaner festlegen. Ob Generäle in Ramstein oder Pete Hegseth oder der Große Blonde selbst, ist nicht bekannt. Auch ist ungewiss, ob nach der Zielfindung die teuer erweiterte Landebahn noch befahrbar ist – ebenso unklar, ob dann noch die Mosel Eifel und Hunsrück trennt oder ob ihr Wasser inzwischen verdampft ist. Klar ist, dass man besser vom Atom-Magneten statt vom Atom-Schirm sprechen sollte. Norbert Kneib, Wittlich

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Wie kann es sein, dass Friederike Krippner so locker sagt: »die Zahl der Kriegstoten ist angestiegen«? Müssten wir Christenleute nicht schreiben: »Hunderttausende wurden und werden ermordet – auch mit Waffen, die aus unserem Land in die vielen Kriegsgebiete geliefert werden«? Sie sagt auch: »wenn der Kriegsfall eintritt«. Hoppla, es muss doch völlig anders benannt werden, wenn Politiker Hunderttausende ins Sterben und auf Generationen ins Elend stürzen, auf dass unsere Rüstungsindustrien ihre Gewinne weiterhin unbehelligt einstreichen können! Ich bin so bitterlich enttäuscht von meiner Kirche mit dieser Friedensschrift. Noch nicht einmal eine klare Ächtung der Atomwaffen haben sie geschafft. Gisa Luu, Frankfurt/Main

Der theologische Konflikt steckt in der Interviewfrage, wenn es heißt, aus den DDR-Kirchen stamme der Satz, der zivile Dienst sei gegenüber dem militärischen Dienst das »deutlichere Zeichen« christlichen Friedenshandelns. Die DDR-Kirchen haben aber im Jahr 1965 den Dienst der Bausoldaten »als das deutlichere Zeugnis des Friedensgebots Jesu Christi« bezeichnet, das »den wirklichen und wirksamen Friedensbund Gottes mitten unter uns« bezeugt. Sie distanzierten sich aus theologischen Gründen von der Paritätsthese der EKD, also von der Gleichwertigkeit des Friedensdienstes mit und ohne Waffen. Die EKD zitiert an einer Stelle in der Denkschrift richtig, entkernt jedoch im Resümee das theologische Argument der DDR-Friedensethik. Sie macht aus dem »deutlicheren Zeugnis« ein »deutlicheres Zeichen« und aus dem »Friedensgebot Jesu Christi« ein bloßes »Zeichen des Christseins«. Das aber ist der entscheidende theologische Unterschied: Die Gewaltlosigkeit ist das Friedensgebot Christi, und der »Dienst mit der Waffe« ist gegenüber diesem Gebot Christi nicht unmöglich, aber begründungspflichtig. Das haben die Verfasser der Denkschrift geahnt, als sie der zentralen Auffassung der DDR-Kirchen widersprochen haben. Eine wichtige theologische Traditionslinie appelliert, dass Christenmenschen grundsätzlich gewaltfrei leben und keine Gewalt anwenden sollen. Diese Haltung fand Ausdruck im konziliaren Prozess, den damit verbundenen ökumenischen Versammlungen, der Initiative »Sicherheit neu denken« sowie in der evangelischen Friedensarbeit. Genau von dieser Tradition wollte sich die EKD-Denkschrift verabschieden. Franz Segbers, Konstanz

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