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Das ausgelöschte Ich

Doris Wagner lebte acht Jahre in der katholischen Ordensgemeinschaft »Das Werk«. Dort wurde sie manipuliert, gefügig gemacht und vergewaltigt. Sie hat ihre Erfahrungen veröffentlicht, um weitere Opfer zu schützen. Aber Rom schaut immer noch weg
von Eva-Maria Lerch vom 29.04.2016
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In dieser Nacht drückte er den letzten Funken meines Selbst in den Staub und löschte ihn aus. Als er gegen drei Uhr endlich ging, ließ er nicht mich zurück, sondern eine leere Hülle, ein Wrack.« Mit diesen Worten beschreibt Doris Wagner den dunkelsten Moment ihrer Zeit als Ordensschwester. Acht Jahre hat sie als Novizin in der Geistlichen Familie Das Werk gelebt, einer katholischen Ordensgemeinschaft neuen Typs, in der sowohl Priester als auch Schwestern leben. In dieser päpstlich anerkannten Gemeinschaft wurde die junge Frau systematisch erniedrigt und gefügig gemacht. Sie durfte keine Bücher lesen, kein Tagebuch und keine unzensierten Briefe schreiben, nicht über ihre Vergangenheit sprechen, keine Freundschaften haben, ihr Zimmer nicht abschließen. Wenn sie krank war, wurde sie nicht versorgt. Sie hat das alles ausgehalten, weil sie glaubte, von Gott zu diesem Dasein berufen zu sein. Erst in dieser furchtbaren Nacht, in der sie von einem Priester der Gemeinschaft vergewaltigt wurde, erkannte die Schwester, »dass etwas an den Regeln nicht stimmen kann«.

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