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Kontrolle und Chaos

Wie Ijob suchen wir nach Sinn und nach Ordnung im Leben. Ein biblisch-spiritueller Impuls
von Othmar Keel vom 12.03.2010
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Wann empfinden wir das Leben als sinnvoll? Wohl dann, wenn das, worum wir uns ernsthaft bemühen, was wir mit Recht erwarten, auch eintrifft. Ein sinnvolles Leben ist nur in einer einigermaßen geordneten, berechenbaren Welt möglich. Das alttestamentliche »Buch der Sprüche« oder die Freunde Ijobs variieren hundert Mal die Aussage: »Die, die gut handeln, denen geht es gut. Die Skrupellosen (die Frevler) ernten Verderben.« Diesem Axiom eines zuverlässigen Zusammenhangs zwischen Tun und Ergehen widersprechen der Ijob des Ijobgedichts (Kapitel 3-31) und Kohelet (der Prediger) energisch. Sie stellen fest, dass dort, wo Ordnung, wo Gerechtigkeit herrschen sollte, oft Willkür und Unrecht herrschen. Statt Ordnungserfahrungen, die ein sinnvolles Leben ermöglichen, sehen sie Chaos. Das griechische Wort »Chaos« bezeichnet den Zustand des Universums vor der Schöpfung, vor dem »Kosmos«, der gut und transparent gestalteten Welt. Chaos bedeutet Gestalt- und Grenzenlosigkeit, Dunkelheit und psychologisch abgründige, Urangst erregende Verlorenheit.

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