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Ein Friedensappell ohne Jugend

Ukraine: Der jüngste Friedensappell von Prominenten aus Deutschland ist wichtig, aber umstritten
von Wolfgang Kessler vom 13.12.2014
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Demokratiebewegung in Russland, Protest gegen die Annektierung der Krim durch Putins Truppen Anfang des Jahres: Gerade viele junge Leute sind es, die in Russland und in der Ukraine viel riskieren für die Freiheit. Und die keinen Dritten Weltkrieg wollen. (Foto: pa/Sergeeva)
Demokratiebewegung in Russland, Protest gegen die Annektierung der Krim durch Putins Truppen Anfang des Jahres: Gerade viele junge Leute sind es, die in Russland und in der Ukraine viel riskieren für die Freiheit. Und die keinen Dritten Weltkrieg wollen. (Foto: pa/Sergeeva)

Angesichts verhärteter machtpolitischer Fronten im Ukraine-Krieg ist der jüngste Friedensappell führender Persönlichkeiten aus Politik, Kirche, Kultur und Medien ein wichtiger Versuch, die Debatte um ein friedliches und gemeinsames Haus Europa zu beleben – und zu versachlichen. Allerdings atmet ihr Appell stark den Geist der Entspannungspolitik der 1980er-Jahre – und unterschätzt die Bedürfnisse der Demokratie-Bewegungen in der Ukraine und Russland nach Frieden und Freiheit.

Der Friedensappell ist dennoch wichtig, weil er sich – getragen von Ex-Politikern wie Hans Jochen Vogel, Antje Vollmer, Kirchenleuten wie Fulbert Steffensky oder Margot Käßmann, Friedrich Schorlemmer oder Kulturschaffenden wie der Kabarettist Georg Schramm oder der Schauspieler Mario Adorf – vor allzu platten Feindbildern warnt. Sie kritisieren die Ausdehnung des Westens nach Osten ebenso wie die völkerrechtswidrige Annexion der Krim durch Putin. »Wer nur Feindbilder aufbaut und mit einseitigen Schuldzuweisungen hantiert, verschärft die Spannungen«, heißt es an die Adresse der Politik. Zu Recht.

Andererseits kommen jene Menschen in der Ukraine in diesem Aufruf nicht vor, die für ihren Traum von einer freiheitlichen Demokratie auf die Straße gegangen sind. Auch fehlt jede Solidarität mit den Demokraten in Russland, die unter dem Autokraten Putin schwer zu leiden haben.

»Frieden ist nicht alles, aber ohne Friede ist alles nichts.« Dieser Satz von Willy Brandt steht hinter dem Friedensappell der Prominenten. Er ist nicht falsch. Aber ein Gemeinsames Haus Europa im 21. Jahrhundert braucht mehr: Frieden unter Wahrung der Freiheitsrechte für alle Bürger.

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Personalaudioinformationstext:   Wolfgang Kessler, Ökonom und Publizist, ist Chefredakteur von Publik-Forum.
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