Deniz Yücel ist frei
Ein Jahr Haft, unter Terrorverdacht, weil er seine Arbeit machte: Deniz Yücel saß in der Türkei im Gefängnis. Sein Schicksal teilte er mit rund 150 anderen Journalistinnen und Journalisten. Bis zum heutigen Tag,an dem er freikam – für die weitere Dauer des Verfahrens, wie das zuständige Istanbuler Gericht mitteilte. Yücel ist also frei, aber aus Sicht der türkischen Justiz – die von der türkischen Staatsführung immer weniger zu unterscheiden ist – nicht unschuldig.
»Die Vorwürfe gegen die anderen Kollegen sind genauso abstrus, wie sie gegen Deniz Yücel waren. Auch sie müssen freigelassen werden«, verlangt Frank Überall, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV).
Yücel hatte sich im Februar 2017 freiwillig der Istanbuler Polizei gestellt, nachdem wegen seiner Berichterstattung nach ihm gesucht worden war. Immer wieder hatte er über die Verhältnisse in der Türkei geschrieben, unter anderem Interviews mit kurdischen Oppositionellen geführt und die Amtsführung des türkischen Energieministers kritisiert. Zunächst kam Yücel zwei Wochen in Polizeigewahrsam, dann in Haft.
In den vergangenen Tagen war die Hoffnung auf eine baldige Entscheidung in seinem Fall gestiegen: »Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird«, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in einem am Mittwoch ausgestrahlten ARD-Interview. »Ich hoffe, dass er in kurzer Zeit freigelassen wird«,ergänzte der türkische Premier. Yildirim hatte am Donnerstag in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen.
Auch ein Treffen von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu Anfang Januar hatte die Hoffnung genährt. Anschließend war auch über mögliche Rüstungsgeschäfte mit der Türkei als »Gegenleistung« für die Freilassung spekuliert worden. Solche Deals habe es nicht gegeben, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts am heutigen Freitag.
