Zur mobilen Webseite zurückkehren

Deniz Yücel ist frei

Nach einem Jahr Haft in der Türkei ist der deutsch-türkische Journalist Deniz Yücel heute freigekommen. Ein Sprecher des Auswärtigen Amtes bestätigte das. Das Verfahren gegen Yücel ist damit aber nicht ausgesetzt. Wann der Prozess gegen ihn eröffnet wird, ist unklar. Der Korrespondenten der »Welt« darf – anders als manche Kollegen – ausreisen
von Britta Baas vom 16.02.2018
Artikel vorlesen lassen

Ein Jahr Haft, unter Terrorverdacht, weil er seine Arbeit machte: Deniz Yücel saß in der Türkei im Gefängnis. Sein Schicksal teilte er mit rund 150 anderen Journalistinnen und Journalisten. Bis zum heutigen Tag,an dem er freikam – für die weitere Dauer des Verfahrens, wie das zuständige Istanbuler Gericht mitteilte. Yücel ist also frei, aber aus Sicht der türkischen Justiz – die von der türkischen Staatsführung immer weniger zu unterscheiden ist – nicht unschuldig.

»Die Vorwürfe gegen die anderen Kollegen sind genauso abstrus, wie sie gegen Deniz Yücel waren. Auch sie müssen freigelassen werden«, verlangt Frank Überall, der Bundesvorsitzende des Deutschen Journalistenverbandes (DJV).

Yücel hatte sich im Februar 2017 freiwillig der Istanbuler Polizei gestellt, nachdem wegen seiner Berichterstattung nach ihm gesucht worden war. Immer wieder hatte er über die Verhältnisse in der Türkei geschrieben, unter anderem Interviews mit kurdischen Oppositionellen geführt und die Amtsführung des türkischen Energieministers kritisiert. Zunächst kam Yücel zwei Wochen in Polizeigewahrsam, dann in Haft.

In den vergangenen Tagen war die Hoffnung auf eine baldige Entscheidung in seinem Fall gestiegen: »Ich bin der Meinung, dass es in kurzer Zeit eine Entwicklung geben wird«, sagte der türkische Ministerpräsident Binali Yildirim in einem am Mittwoch ausgestrahlten ARD-Interview. »Ich hoffe, dass er in kurzer Zeit freigelassen wird«,ergänzte der türkische Premier. Yildirim hatte am Donnerstag in Berlin Bundeskanzlerin Angela Merkel getroffen.

Auch ein Treffen von Bundesaußenminister Sigmar Gabriel mit seinem türkischen Amtskollegen Mevlüt Cavusoglu Anfang Januar hatte die Hoffnung genährt. Anschließend war auch über mögliche Rüstungsgeschäfte mit der Türkei als »Gegenleistung« für die Freilassung spekuliert worden. Solche Deals habe es nicht gegeben, sagte der Sprecher des Auswärtigen Amts am heutigen Freitag.

4 Wochen freier Zugang zu allen PF+ Artikeln inklusive E-Paper
Publik-Forum
Publik-Forum
Einen Moment bitte...
0:000:00
1.0