Abschied vom Wachstumswahn
Noch mehr Autos, noch mehr Fernseher, alle drei Monate ein neues Handy, alle sechs Monate einen neuen PC – das kann nicht gut gehen, sagen viele zumindest hinter vorgehaltener Hand. Und wenn alle Menschen auf der Welt so viele Autos fahren, so viele Fernseher haben, so viele PCs betreiben wie wir Deutschen oder gar die Amerikaner, dann »gute Nacht, Erde«.
Viele Ökonomen wissen längst, dass Wachstum die Gesellschaft mehr kostet, als es bringt. Und wenn es mit Millionen Niedriglöhnern erzielt wird, trägt es auch nicht zu mehr Gerechtigkeit bei. »Wir können nicht zur Tagesordnung übergehen. Wir brauchen endlich eine nachhaltige Entwicklung«, sagt auch Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble.
Kleine Schritte, aber kein großer Wurf
So weit, so gut. Doch obwohl alle wissen, dass es so nicht weitergehen kann, machen Politik, Unternehmen, Gewerkschaften und viele Verbraucher weiter wie bisher. Natürlich gibt es Ausnahmen: Manche Bürger haben sich von hemmungslosem Konsum verabschiedet, kaufen bewusst nur, was sie brauchen, entscheiden dabei genau, was sie kaufen, nutzen viele Waren und Dienstleistungen, ohne sie zu besitzen. Doch obwohl eine Minderheit der Konsumenten umdenkt, hat dies bisher kaum Auswirkungen auf den Gang der Entwicklung. Die Wachstumsspirale dreht sich weiter.
Politik muss ein einfacheres Leben einfacher machen
Ist der Abschied vom Wachstumswahn also eine Illusion? Nicht unbedingt. Gelingen wird er aber nur, wenn die Politik auf Alternativen zur rastlosen Wachstumswirtschaft setzt. »Die Politik muss es einfacher machen, einfacher zu leben«, sagt die Wirtschaftswissenschaftlerin Angelika Zahrnt. Wie dies gehen kann, beschreibt die langjährige Vorsitzende des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) in der aktuellen Ausgabe von Publik-Forum (5/2013).
