Jörg Zink – ein Leben
Er schreibt wieder. Jörg Zink. Beinah wäre er gestorben, vor zwei Jahren, nach einem Herzanfall und mehreren Bypass-Operationen. Vom Kirchentag hat er sich per Video-Botschaft verabschiedet – jahrzehntelang hat er ihn mitgeprägt. Auch vom theologischen Schreiben hatte er einige Monate lang gemeint, sich verabschieden zu müssen – nach dem Krankenhausaufenthalt konnte er sich lange kaum noch konzentrieren. Aber jetzt schreibt er wieder. Während die Vorbereitungen zu seinem neunzigsten Geburtstag laufen, liegt ein dickes Manuskript über alternative Mahlfeiern nach dem Vorbild des Nazareners auf seinem Schreibtisch.
Jörg Zink hat die evangelische Szene in Deutschland seit der Nachkriegszeit geprägt, als Medienpfarrer und Wort-zum-Sonntag-Autor, als Filmemacher, Bibelübersetzer, als einer, der öffentlich, unabhängig von Amt und Würden, über Glaubensdinge nachdachte – und daraus Konsequenzen zog. Er war wohl der wichtigste christliche Sprecher der Friedensbewegung in Deutschland, er hat das Thema »Schöpfung bewahren« früh als genuin christliches Thema erkannt, er hat nicht Ruhe gegeben, bis die Weisungen der Bergpredigt wieder in den Blick des christlichen Nachdenkens gekommen sind. Auf den evangelischen Kirchentagen war er vierzig Jahre lang derjenige, der mit Scharfsinn und ungewöhnlichen Perspektiven die Gestalt dieses Mannes aus Nazareth nachzeichnete. Und in den vergangenen 25 Jahren hat er in zahlreichen Büchern über die Zukunft des Christentums nachgedacht – und eine Theologie einer politischen Mystik entworfen.
Jörg Zink hat in den vergangenen Jahrzehnten viele, viele Menschen geprägt, Kirchenferne genauso wie Theologen, Menschen, die auf der Suche nach spirituellen Büchern sind genauso wie solche, die nach neuen Entwürfen von Kirche, Gott und Religion fragen – und er hat ihnen vor allem Mut gemacht. Mut, sich auf eigene Wege zu begeben.
In diesem Publik-Forum-Extra sollen anlässlich seines neunzigsten Geburtstags Jörg Zinks Lebens- und Denkwege nachgezeichnet werden. Die Wegbegleiter Hans Küng, Hans-Jürgen Hufeisen und Marion Küstenmacher erinnern sich. Seitens der Familie würdigen ihn sein Sohn Christoph und Enkel Julian. Und immer wieder wird auch Jörg Zink selbst zu Wort kommen – mit Erfahrungen aus neun Lebensjahrzehnten.
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