Geschenke des Lebens
Nichts ist umsonst, nicht mal der Tod, denn der kostet das Leben. So ein blöder Spruch, denke ich mir, zeigt er doch allenfalls, dass wir es gewohnt sind, alles zu verrechnen in Preis und Leistung.
Was verändert sich, wenn wir sagen: Alles, was wir haben, wir haben es geschenkt bekommen – sogar unser Leben! Von unseren Eltern, ohne ihre Liebe wären wir nicht. Oder von Gott, dem großen Geheimnis der Welt. Alles, was wir wissen, fühlen, begreifen, können – haben wir es nicht eher von unserer Familie, unseren Freunden, von Zufallsbegegnungen und tiefen Erfahrungen weitergereicht bekommen, als dass wir es uns »verdient« hätten? Unsere Begabungen, die Liebe, das Glück fallen uns in den Schoß.
Welche Wurzeln schenken wir unseren Kindern – was geben wir ihnen mit? Und was hat ihnen schon ein anderer mitgegeben und will als Begabung, als Gabe erkannt und ins Leben umgesetzt werden? Ist es leicht, sich etwas schenken zu lassen in einer Welt, in der alles seinen Preis zu haben scheint? Geschenke sprechen nämlich eine eigene Sprache – ein Geschenk, das nicht passt, kann verletzen, demütigen oder enttäuschen. Andere bleiben uns ein Leben lang präsent. Und die qualvolle Frage, wer was warum für wie viel Geld an Weihnachten geschenkt bekommt, erinnert uns jedes Jahr wieder daran: Schenken ist eine Form der Kommunikation, die abbildet, in welchen Beziehungsnetzen wir leben, wer uns nah und wer uns fern ist. Doch die weihnachtliche Bescherung zeigt auf leise Weise auch, dass derjenige, der schenkt, immer auch ein Stück Himmel auf die Erde bringt – es hält sich hartnäckig das heilige Spiel, dass nicht die Eltern, sondern himmlische Boten die Gaben bringen.
Dass nicht nur das Leben, sondern auch die Lebensmittel ein Geschenk sind, das war früher bewusster als heute in der Konsumgesellschaft. Wer sagt heute noch vor dem Abendessen »Alle guten Gaben, alles, was wir haben, kommt, o Gott, von dir …« Doch sollten wir uns nicht täuschen: Viele engagieren sich, damit auch heute, in der globalisierten Marktwirtschaft, der Wert eines Nahrungsmittels nicht vergessen wird. Überhaupt, die Ehrfurcht vor dem Leben: Ist das eine Haltung, mit der sich leben lässt? Wie können wir heute sagen: Das Leben, natürlich, es ist ein Geschenk?
