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Einen neuen Ton anschlagen

Keine Angst mehr vor den Bischöfen zu haben und in klaren Worten Veränderungen zu fordern, das empfehlen der katholische österreichische Reformpfarrer Helmut Schüller und der Theologe Hanspeter Heinz. Wie können Reformen in den Kirchen gelingen? Unsere Leserfrage.
von Peter Otten vom 18.06.2012
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In unzweideutigen Worten von den Bischöfen Reformen in der katholischen Kirche verlangen, dazu ermuntern der österreichische Reformpfarrer Helmut Schüller und der deutsche Theologe Hanspeter Heinz
In unzweideutigen Worten von den Bischöfen Reformen in der katholischen Kirche verlangen, dazu ermuntern der österreichische Reformpfarrer Helmut Schüller und der deutsche Theologe Hanspeter Heinz

Margret Hillers, Frankfurt: Ich bin evangelische Christin und mit einem Katholiken verheiratet. Ich sehe Reformbemühungen in beiden Kirchen. Was können Mitglieder tun, um sie zu fördern?

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Publik-Forum nimmt diese Frage einer Leserin zum Anlass, sich mit Aspekten der Reform in der katholischen wie der evangelischen Kirche auseinanderzusetzen. Im vierten Teil der Serie zur Kirchenreform erläutern der österreichische Reformpfarrer Helmut Schüller und der katholische Pastoraltheologe Hanspeter Heinz, wie aus ihrer Sicht Reformen in den Gemeinden beginnen können. »Kirchenreform für Anfänger« war die Veranstaltung beim Mannheimer Katholikentag überschrieben, bei der sie mitwirkten.

Peter Otten: Das Bemerkenswerte an dem österreichischen Reform-Pfarrer Helmut Schüller ist, dass er eine andere Sprache spricht als viele kirchliche Würdenträger. Die Zeit des Wünschens sei vorbei, sagt er etwa. »Wir werden nicht mehr bitten, sondern ankündigen und berichten, was wir tun werden.«

»Wir müssen nicht jede Forderung mit drei Bibelzitaten belegen«

Der 49-jährige Priester – von 1995 bis 1999 Generalvikar des Wiener Erzbischofs Kardinal Christoph Schönborn, bis der ihn wegen »tiefgreifender Meinungsverschiedenheiten« aus dem Amt warf – macht ernst mit Reformen. Im Jahr 2006 stellte er die österreichische Pfarrer-Initiative vor. Deren »Aufruf zum Ungehorsam«, in dem unter anderem die Zulassung von Frauen und Verheirateten zum Priesteramt gefordert wird, unterschrieben bislang knapp 400 katholische Priester in Österreich. Das ist etwa ein Zehntel des gesamten dortigen Klerus.

Für Schüller kommt es nun darauf an, die Probleme anzusprechen und auf den Punkt zu bringen. »Die Sprache gehört zur Strategie. Wir haben uns dazu durchgerungen, dass wir deutlicher werden. Wir wollen weniger ›Synodalsprech‹, weniger pastorale Sprache oder Kirchensprache. Wir haben ein Recht, diese Dinge zu sagen, wir brauchen es nicht ständig zu erklären und jede Forderung mit drei Bibelzitaten zu belegen.« Es sei ein wichtiger Lernprozess, so zu sprechen, dass die Botschaften »im Zweifelsfall in den Hauptnachrichtensendungen auftauchen« , sagt Schüller.

Pfarrgemeinderäte sollen sich einmischen

Zum Zweiten empfiehlt Schüller die nachhaltige Vernetzung. Dabei denkt er nicht an eine neue große Organisation, sondern an den Austausch gut arbeitender Initiativen. Reformen könnten nicht gelingen, wenn die Anstöße auf der Ebene der hauptamtlichen kirchlichen Mitarbeiter blieben. Deswegen seien, drittens, »auch die Pfarrgemeinden mit ihren Räten« gefragt. Sie »müssen sich jetzt endlich in die eigenen Angelegenheiten mischen und die Fragen nach ihrer eigenen Zukunft stellen«, sagt Schüller. Dazu sei es nötig, dass sie ihre eigene Haltung änderten. Man müsse »weg von der Frage kommen, was wohl mit uns geschehen wird?« Die Gemeinden müssten vielmehr einen Transformationsprozess starten und fragen: »Was wollen wir werden? Die Pfarrgemeinde muss Vorstellungen haben, wohin sie sich entwickeln will.«

Das sieht auch der Augsburger Pastoraltheologe Hanspeter Heinz so. Er findet es gut, dass zum Beispiel von der Pfarrerinitiative offen von Ungehorsam gesprochen werde, »weil es Aufmerksamkeit erzeugt«. Eine wirksame Reform sei weniger eine Frage des Namens, sondern der Strategie, pflichtete er Schüller bei.

Schon gegen 50 Priester kann niemand etwas tun

Es sei wichtig, eine Atmosphäre der Solidarität zu erzeugen, an der fehle es neben Zivilcourage und Klugheit. »Hätten weitere Bischöfe dem damaligen Limburger Bischof Kamphaus in der Frage der Schwangerschaftskonfliktberatung zur Seite gestanden, wäre sie wohl nicht gekippt«, meinte er. »Man muss sich zusammentun. Schon gegen 40 bis 50 Priester kann niemand etwas tun.«

Heinz erinnerte allerdings auch daran, dass es eine Reihe von diözesanen Synoden und Gesprächsprozessen seit den 70er Jahren gegeben habe, die bis auf ganz wenige Ausnahmen weitgehend im Sande verlaufen seien. Das habe allerdings daran gelegen, dass Aufgabenstellung und die Frage, wie Entscheidungen getroffen würden, nicht geklärt gewesen seien: »Es muss vorher klar sein, wie die Bedingungen und Strukturen dessen sind, was man macht. Geht es um Entscheidungsfindung oder um Meinungsbildung?«

Regeln für die Entscheidungsfindung festlegen

Heinz hält auch in Zukunft derlei Prozesse für dringlich, allerdings: »Man braucht ein klares Thema, das auf den Nägeln brennt. Man braucht eine klare Rechtsordnung, einen verbindlichen Rahmen für diese Gespräche.« Und man müsse vorher klären, wie das Beschlossene umgesetzt und ins Handeln gebracht werde.

Weitere Informationen

Die österreichische Pfarrer-Initiative, sie kann man auch von Deutschland aus unterstützen

Aktionsgemeinschaft Rottenburg aus dem Bistum Rottenburg-Stuttgart mit derzeit 150 Mitgliedern

Die Arbeitsgemeinschaft von Priester- und Solidaritätsgruppen in Deutschland kämpft für Reformen in der katholischen Kirche

KirchenVolksBewegung »Wir sind Kirche«

Ökumenisches Netzwerk »Initiative Kirche von unten«

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Personalaudioinformationstext:   Peter Otten studierte katholische Theologie in Bonn und ließ sich am Institut für publizistischen Nachwuchs (ifp) in München journalistisch ausbilden. Er arbeitet für die WDR-Hörfunk-Redaktion »Religion, Kirche und Theologie« sowie für weitere öffentlich-rechtliche Sender als freier Autor. Otten ist ständiger Mitarbeiter von Publik-Forum und lebt in Köln.
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