Das Findelkind
Ich wusste immer, dass ich adoptiert bin. Aber dass ich ein Findelkind bin, darum haben meine Eltern jahrelang ein Geheimnis gemacht. Sie haben mir erzählt, meine leiblichen Eltern seien bei einem Autounfall ums Leben gekommen. Ich konnte das nicht glauben. Kurz vor meinem siebzehnten Geburtstag habe ich Druck gemacht: Ich wollte meine Geburtsurkunde sehen. Meine Eltern haben es mir schließlich gesagt. Ich war fassungslos. Es war nicht nur der Umstand, keinen Namen zu haben. Ich wurde im September 1967 in einem Wald in Ostwestfalen gefunden, in einer Plastiktüte. Da war ich schon etwa zwei Wochen alt. Immer wieder habe ich mich gefragt, warum ich nicht wenigstens an einem sicheren Ort abgelegt wurde. Vor einer Kirche, in einem Krankenhaus? Immer wieder quälte mich die Frage, warum man mich nicht haben wollte. Als ich mit 24 Jahren schwanger war, habe ich eine größere Aktion gestartet, um meine leibliche Mutter zu finden. Ich bin in diesen Wald gefahren, habe mich an die Lokalzeitungen gewandt. Es kostete mich viel Kraft, so viel von mir preiszugeben. Deshalb will ich ich auch nicht, dass mein Name in der Zeitung steht.
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