Dem kalten Frieden zum Trotz
Es ist kalt in diesen Tagen in Seoul. »Sehr kalt, es sind minus fünf Grad. Aber das ist normal«, sagt Jeong-Sook Hahn. An diesem Abend, um 21 Uhr Ortszeit, brennt in ihrem Büro der 30 000 Studenten zählenden Uni in der Hauptstadt von Südkorea noch Licht. Das ist nichts Ungewöhnliches für die 53-jährige Frau mit dem tiefschwarzen Haar. »Mein Arbeitstag geht so manches mal bis 24 Uhr«, antwortet die Asiatin in fließendem Deutsch. Und fügt – wie zur Bestätigung des Gesagten – diesen etwas merkwürdigen Kehllaut nach: Cha, cha, sagt sie langsam. Hier an der Seoul National University, an der man so ziemlich alles studieren kann, unterrichtet die promovierte Dozentin Geschichte. Doch nicht das kalte Wetter macht ihr in diesen Tagen zu schaffen. Es ist die politische Eiszeit zwischen Nord- und Südkorea, die ihr große Sorgen bereitet. »Es ist so schlimm wie seit Ende des Krieges vor sechzig Jahren nicht mehr«, sagt die Historikerin, die oft lacht, nachdenklich.
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