Probates Mittel
Beim Kirchenasyl geht es darum, einen Einzelnen oder eine ganze Familie vor der Ausschaffung in menschenunwürdige oder gar lebensbedrohliche Zustände im Herkunftsland zu schützen. Dabei stellt die Kirchgemeinde oder Pfarrei Räumlichkeiten mitsamt ihrer Infrastruktur zur Verfügung und informiert die Öffentlichkeit sowie die entsprechenden staatlichen Stellen. In den letzten Jahrzehnten wurden sakrale Bauten als Schutzräume für Menschen in Not immer wieder genutzt. Anders als etwa in Südafrika, wo sich Gegner des Apartheid-Regimes in Kirchen vor dem Zugriff des Militärs in Sicherheit brachten, sind es im deutschsprachigen Raum Ausländer, die in den Schutz der Kirchen flüchten. In der Schweiz kam es in den 80er-Jahren zu »Dutzenden von Kirchenasylen, als sehr viele asylsuchende Flüchtlinge von den Behörden abgewiesen wurden«, sagt Menschenrechtsaktivistin Anni Lanz, die in ihrem Buch »Die Fremdmacher« unter anderem die Geschichte der Kirchenbesetzungen und Kirchenasyle in der Schweiz nachzeichnet. Und laut dem Politologen Matthias Morgenstern setzte das Kirchenasyl in der Schweiz für den deutschsprachigen Raum insofern Akzente, als die Wurzeln des Kirchenasyls im organisierten »geheimen Privatasyl im Sinne von Verstecken von Flüchtlingen zu finden ist, wie es vor allem die Aktion für abgewiesene Asylbewerber praktiziert« hat.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden
