Editorial
Liebe Leserin, lieber Leser,
seit mehr als zehn Jahren besitze ich kein Auto mehr. Ich fahre Rad, Bus und Bahn; brauche ich doch mal einen Wagen, gibt es Carsharing. Mir fällt der Verzicht leicht: Ich lebe in der Großstadt mit gutem S- und U-Bahn-Netz und muss keine kleinen Kinder mehr vom Flötenunterricht zum nächsten Geburtstag chauffieren. Ich habe ein schönes Rad und genieße morgens und abends die – je nach Ampelglück – 35 oder 40 Minuten an der frischen Luft. Ich freue mich über die Zeit, in der mich niemand anrufen kann. Aber ist das dann überhaupt noch ein Verzicht, wenn es so gar nicht weh tut? Oder doch Heuchelei im Angesicht der Weltkrisen, wenn ich bedenke, dass ich ansonsten bestenfalls Teilzeitasket bin? Ich habe mit einem Experten übers Verzichten geredet, mit Peter Wunsch, einem so klugen wie beeindruckenden Mann, der als Eremit in der Großstadt lebt (Seite 30). So viel kann ich verraten: Verzichten darf, ja, soll Freude machen.
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Matthias Drobinskiist Reporter bei Publik-Forum.
