Pro und Contra
Erfüllen ARD und ZDF noch ihren Auftrag?
ARD und ZDF bringen nach wie vor tolle Informationssendungen: im Radio, im Fernsehen, im Internet. Es stimmt nicht, dass alles der Quote untergeordnet würde. Das sage ich, der ich jahrelang für das öffentlich-rechtliche Radio als Freiberufler gearbeitet und mich dabei immer wieder geärgert habe, wenn Informations- oder Kultursendungen gekürzt oder gestrichen wurden, weil sie als zu schwierig galten. Oder weil man meinte, mit anderen, »leichteren« Formaten mehr Hörerinnen oder Zuschauer vor die Geräte locken zu können. Natürlich soll man über jede Programmreform, wie aktuell die Pläne für das Erste, streiten, aber eine Pauschalkritik an seichter Fernsehunterhaltung und zu teuren Fußballrechten macht es sich zu leicht. In einer Demokratie rechtfertigt sich ein öffentlicher Sender nicht nur, aber auch über Mehrheiten. Ein Programmangebot, das in seiner Gänze nur noch eine Minderheit anspräche, geriete unter Legitimationsdruck: Darum braucht es Quotenbringer und Kultur- und Informationsformate. Und gerade Letzteres bringen die Öffentlich-Rechtlichen nach wie vor in großer Vielfalt: arte und 3sat, phoenix und die anderen Info-Kanäle, Deutschlandfunk und Kulturradios, Dokus und Serien, die über die Mediatheken laufen, hochwertige Kinderprogramme, tolle Internetformate vom ARD-Kind funk. Leute, statt zu jammern, schaut und hört diese Angebote, damit sie mehr Zuschauerinnen und Zuhörer bekommen und ausgebaut werden!
Es ärgert mich, wenn Leute sich detailliert und oft auch zu Recht über flache Talksendungen aufregen. Wer hat dich gezwungen, die anzuschauen? Warum hast du stattdessen nicht auf arte umgeschaltet oder dir noch eine gute Doku in der Mediathek angeschaut? Das würde diesen Formaten und denjenigen, die für sie arbeiten, helfen.
Constantin Wißmann:
Nein, sie hängen zu sehr an der Quote!
Acht Milliarden Euro, das ist drei Mal so viel, wie die deutschen Schulen bräuchten, um fit für den digitalen Wandel zu sein. Mit dem Dreifachen könnten sie wohl zu Palästen des Lernens werden. Stattdessen aber werden jährlich acht Milliarden dafür ausgegeben, dass sich ältere Menschen beim Fernsehen nicht erschrecken. Oder wie soll man sonst erklären, dass in ARD und ZDF verlogene Heile-Welt-Serien wie Das Traumschiff laufen, dumme Quiz-Shows wie Wer weiß denn sowas? oder gefühlte fünfzig Kochshows? Als Grund für all den Quatsch, der viel Geld kostet (vor allem der Fußball) und sämtliche Kanäle verstopft, geben die Verantwortlichen an: Sie müssten eben ein Massenprogramm machen, das den Schnulzen-Gucker ebenso anspricht wie den News-Junkie. Jedoch: Dieser Gedanke geht von Zuständen der 1960er-Jahre aus. Damals war es tatsächlich Aufgabe der öffentlich-rechtlichen Sender, ein Programm technisch zur Verfügung zu stellen und den verfassungsrechtlichen Auftrag zu erfüllen, Informationsvielfalt zu gewährleisten. Beides ist heute obsolet. Fernsehen machen, das können auch private Sender und neuerdings sogar Streamingdienste. Und informieren können sich alle im Internet, und zwar nach ihren eigenen Vorgaben.
Stattdessen beteiligen sich ARD und ZDF am Rattenrennen um die höchste Quote, was bizarr ist. Das Besondere an ihnen ist ja gerade, dass sie nicht darauf angewiesen sind – anders als alle privaten Sender, die einfach eingehen, wenn sie keiner sehen will. Dabei gibt es fantastische öffentlich-rechtliche Sendungen, mit Herzblut und Finesse gemacht. Nur müssen die um jeden Cent und jeden Sendeplatz kämpfen. Würde man sich auf sie konzentrieren, könnten die Sender zu Palästen der Information werden. Ohne teuren Quatsch.
Christoph Fleischmann,
geboren 1971,
ist Redakteur
bei Publik-Forum.
Constantin Wißmann,
geboren 1981,
ist Redakteur
bei Publik-Forum.

