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Pro und Contra
Solarstrom vom Dach nicht mehr fördern?

Die Bundesregierung plant, dass es für kleine Photovoltaik-Anlagen ab 2027 keine Einspeisevergütung mehr gibt. Ein richtiger Schritt? Machen Sie mit bei unserem Pro & Contra.
vom 07.07.2026
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Private Energiewende: Viele Hausbesitzer haben mittlerweile eine Solaranlage auf dem Dach. Auch, weil sie Geld für den Strom bekommen, den sie ins Netz einspeisen. (Foto: PA / imageBROKER / Daniel Schoenen)
Private Energiewende: Viele Hausbesitzer haben mittlerweile eine Solaranlage auf dem Dach. Auch, weil sie Geld für den Strom bekommen, den sie ins Netz einspeisen. (Foto: PA / imageBROKER / Daniel Schoenen)

Andreas Lenz: Ja!

(Foto: Deutscher Bundestag / Henning Schacht)Die Förderung von Solar-Dachanlagen war sehr erfolgreich. Mehr als 3,5 Millionen Dachanlagen sind auf privaten Haushalten installiert. Der Erfolg aber hat seine Tücken: Mittlerweile werden durch die Stromspitzen insbesondere zur Mittagszeit Überschüsse produziert, für die die Allgemeinheit zahlen muss, damit diese abgenommen werden. Es befindet sich dann mehr Strom im Netz, als gebraucht wird, die Börsenstrompreise werden negativ. Diese Kosten müssen alle Stromkunden zahlen, auch jene, die keine eigene Photovoltaik-Anlage haben.

Dieser Artikel stammt aus Publik-Forum 13/2026 vom 10.07.2026, Seite 8
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Es gibt also Handlungsbedarf. Wir wollen mehr Strom aus Sonnenenergie, doch eine Einspeisevergütung ins allgemeine Stromnetz ist der falsche Weg dorthin. Es ist geradezu absurd, dass der Strom auch dann vergütet wird, wenn er nicht gebraucht wird. Wesentlich sinnvoller ist es, dass die auf dem Dach oder am Balkon gewonnene Energie in den Eigenverbrauch fließt und in intelligente Speicher – dann leistet der Solarstrom aus kleinen Anlagen einen wichtigen Beitrag fürs Gesamtsystem. Ein Ende der Einspeisevergütung macht diesen Weg automatisch attraktiv. Wir müssen die Speicher fördern und nicht pauschal jede eingespeiste Kilowattstunde, ob sie nun gebraucht wird oder nicht.

Der Schlüssel für einen weiterhin erfolgreichen Zubau liegt also in der Kombination von Eigenverbrauch und Speicher. Kleine Dachanlagen erzeugen Strom für 6,3 bis 14,4 Cent je Kilowattstunde, hat das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme berechnet. Wer eigenen Solarstrom nutzt, spart damit einiges Geld: Im Schnitt bezahlten private Haushalte für den Bezug von Strom aus dem Netz im zweiten Halbjahr 2025 40,55 Cent je Kilowattstunde. Passend dimensionierte Heimspeicher können diesen Vorteil noch ausweiten, weil sie den produzierten Solarstrom vom Mittag in den Abend und in die Nacht verschieben können. Zu berücksichtigen ist auch, dass PV-Module durch Skalierungseffekte bei den Herstellern deutlich günstiger geworden sind.

Letztlich hängt die Akzeptanz von erneuerbaren Energien – und auch des weiteren Zubaus davon ab, ob wir einen Systemwechsel hinbekommen: weg von starren Einspeisevergütungen, hin zum sogenannten »Prosumer«, einem Erzeuger also, der den produzierten Strom bestmöglich selbst nutzt und dabei für das Stromsystem den größtmöglichen Nutzen liefert. Dabei werden auch intelligente Mess-Systeme noch wichtiger als bisher. Wir können nicht an starren Einspeisevergütungen festhalten, wenn wir wollen, dass die Solarenergie akzeptiert – und weiter ausgebaut wird.

Claudia Kemfert: Nein!

(Foto: PA / DPA / Carla Benkö)Die Streichung der Einspeisevergütung für Solarstrom von Hausdächern wäre ein schwerer Fehler. Sie würde genau dort Unsicherheit schaffen, wo die Energiewende besonders erfolgreich, bürgernah und kosteneffizient vorankommt: auf den Dächern von Einfamilienhäusern, Mehrfamilienhäusern, Schulen, Kirchen, Betrieben und öffentlichen Gebäuden. Photovoltaik ist heute eine der günstigsten Formen der Stromerzeugung. Doch eine Förderung ist deshalb nicht überflüssig. Die Einspeisevergütung gibt einen verlässlichen Rahmen, gibt Haushalten, Handwerksbetrieben, Wohnungsbaugesellschaften und Kommunen Planungssicherheit. Wer eine Solaranlage installiert, investiert über viele Jahre. Dafür braucht es klare Regeln und Vertrauen, nicht politische Zickzackkurse.

Solarstrom vom Dach senkt Stromerzeugungskosten, reduziert fossile Importabhängigkeiten und kann – richtig eingebunden durch Speicher, Eigenverbrauch, flexible Tarife und intelligente Netze – die Kosten des Energiesystems insgesamt senken. Wer hier verunsichert statt fördert, riskiert höhere Kosten statt Entlastung. Gerade kleinere Anlagen auf Hausdächern sind für die Energiewende wichtig. Sie machen Menschen zu aktiven Teilnehmenden des Prozesses, senken Stromkosten, entlasten das Klima und stärken die regionale Wertschöpfung. Jeder zusätzliche Sonnenstrom vom Dach reduziert Importabhängigkeiten und macht das Energiesystem widerstandsfähiger. Erneuerbare Energien sind Freiheits- und Friedensenergien.

Die Einspeisevergütung sorgt zudem dafür, dass auch jene mitmachen können, die nicht allen Strom selbst verbrauchen können. Nicht jedes Dach gehört zu einem Haushalt mit Elektroauto, Wärmepumpe oder großem Speicher. Gerade Mehrfamilienhäuser, kleine Betriebe oder öffentliche Gebäude speisen oft einen Teil des erzeugten Stroms ein. Wenn dieser Strom nicht mehr angemessen vergütet wird, werden viele Anlagen kleiner gebaut oder gar nicht erst errichtet. Das wäre volkswirtschaftlich unsinnig.

Natürlich muss das Stromsystem flexibler werden und die Einspeisevergütung weiterentwickelt. Wir brauchen mehr Speicher, intelligente Netze, variable Tarife, Lastmanagement und Anreize, Strom dann zu nutzen, wenn viel Wind- und Sonnenenergie vorhanden ist. Aber die Antwort auf zeitweise Überschüsse kann nicht lauten, den Ausbau der Solarenergie auszubremsen. Das wäre ein energiepolitischer Kurzschluss: Man bekämpft nicht den Mangel an Flexibilität, sondern schwächt eine der wichtigsten Lösungen.

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Personalaudioinformationstext:   Andreas Lenz (CSU) ist Sprecher der Arbeitsgruppe Wirtschaft und Energie der Unionsfraktion im Bundestag.

Claudia Kemfert leitet die Abteilung Energie, Verkehr und Umwelt am Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) und lehrt Energiewirtschaft an der Leuphana Universität.
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