Leserbrief
Reichtum polarisiert
Eine interessante Sichtweise, Yachten so groß wie ein Footballfeld als moralisch verwerflich zu postulieren. Solche Schlagzeilen wirken, nur treffen sie nicht das Problem der neoliberalen Entwicklung. Wieder einmal will ich Matthäusevangelium 7,12 in Erinnerung rufen und auffordern, zunächst einmal den Blick auf uns selbst zu richten: Was ist unser Anteil, die wir die footballfeldgroßen Yachten finanzieren? Ich bekomme Mails zugeschickt, sehr oft mit dem Hinweis »von meinem iPhone gesendet«. Smartphones zu einem Drittel der Kosten eines »iPhone« leisten den gleichen Dienst, sind aber nicht geeignet, zu zeigen, was man sich (nicht) leisten kann. Es liegt auch an uns, den Milliardären Zuckerberg und Bezos nicht täglich Unsummen zufließen zu lassen. Die Macht der Verbraucher gilt es zu nutzen. Wir haben es in der Hand. Werner Heidiri, March/Brsg.
Der Raubzug der Superreichen ist beklagenswert, aber nicht unverständlich. Da heißt es: »Staaten fehlt Geld für Bildung oder Klimaschutz.« Kein Wunder, wenn man berücksichtigt, dass für Aufrüstung letztes Jahr 108 Milliarden Euro und im Jahr 2029 schon 150 Milliarden zum Fenster hinausgeschmissen werden sollen. Dass da für Bildung und Klimaschutz viel zu wenig übrig bleibt, ist logisch. Die Superreichen wären aber schön blöd, wenn sie diesen Wahnsinn mit höheren Abgaben auch noch fördern würden. Sie beschuldigen die Falschen. Gottfried Thoma, Remshalden
Zunächst einmal ein dickes Lob. Sie sind bisher die einzige Zeitschrift, die sich mit diesem Thema ausführlicher beschäftigt. Meistens bleibt es in der Tabuzone. Dabei sind es gerade die Reichen und Superreichen, die mit ihrem Vermögen, ihren Investitionen, neben den Konzernen, unseren Planeten plündern und zerstören. Und ich bezeichne es als kriminell. Sie müssten für ihr Handeln deutlich stärker zur Kasse gebeten werden. Warum so zaghaft, Wolfgang Kessler? Mindestens zehn Prozent Steuern im Sinne der Solidargemeinschaft sind angebracht. Und dann hätten sie immer noch genug. Überhaupt sollte das gesamte Steuersystem überarbeitet werden. Zum Beispiel würde eine Tobinsteuer im Aktienhandel Milliarden in den Haushalt spülen. Hinzu kommt, dass jedes Jahr etwa 200 Milliarden durch Steuerbetrug, Steuerhinterziehung verloren gehen. Bernhard Weber, Bad Segeberg
»Bürgerinnen und Bürger müssen aufstehen, um eine Politikwende einzuleiten«, schreibt Alexander Hagelüken. Mal ehrlich: Wie viele Jahre lesen wir nun schon solche Berichte und immer wieder diese Aufforderung? Und wie viele Bürgerinnen und Bürger stehen auch wirklich auf? Und was geschieht? Ist das nicht auch schon ein routinemäßiges Ritual geworden? Wäre es nicht besser, über erfolgreiche Widerstände zu berichten und Menschen anzuleiten, wie sie in ihrer Umgebung Missstände aufdecken können? Hagelükens Artikel erzeugt nur Hilflosigkeit. Und seinen Aufruf zur Politikwende sehen im Moment immer mehr in der AfD, was bestimmt nicht beabsichtigt war. Hans Th. Flory, Heidelberg

