Leserbrief
Systemfrage
Danke für das Titelbild »Das Schweigen der Männer«. Das ist genau die Beobachtung, die ich im Kollegen- und Bekanntenkreis mache. Ich werde den Beitrag großzügig verteilen. Claudia Auffenber, Paderborn
Vielen Dank für die Beiträge zum Thema Gewalt gegen Frauen, die auf komplexe und systematische Weise aufdecken, wie gesellschaftliche patriarchale Strukturen und konkrete Gewalt gegen Frauen zusammenhängen. Gerade in Zeiten von Epstein, Gisèle Pelicot und Collien Fernandes ist es zentral, zu erkennen, dass es sich nicht um Einzelfälle handelt. Denn wenn mit Eva von Redecker Patriarchat zu verstehen ist als die Herrschaft der Herren, die das Recht haben, alles zu besitzen und zu zerstören, dann zeigt es sich ebenso in der Ausbeutung des Landes und Erdbodens wie in der Gewalt gegen Frauen. Es kann nicht darum gehen, einzelne »böse« Männer auszumachen, sondern genau wie Daniela Ordowski (8/2026, Seite 11) gesagt hat, tief anzuerkennen, dass alle Männer in dieses System mit seinen erlernten Mustern von »Männlichkeit« verflochten sind – und Frauen auch, aber mit unterlegenen Konsequenzen. Letztlich zeigt das Pro und Contra aus demselben Heft eindrücklich, wie diese Strukturen funktionieren: Frauen können aufschreien, dass sie vom aktuellen Rechtssystem nicht ausreichend vor Gewalt geschützt werden, Männer können ausfalten, warum es nicht nötig ist, dass sich dafür die Gesetze ändern – und es gibt keinen Aufschrei von Männern, auch weil sie es für »normal« halten, dass das so ist. Damit stützen alle diese Männer systemisch den Fortbestand von Gewalt gegen Frauen. Annebelle Pithan & Mariele Wischer, Münster
Ich bekomme die neue Ausgabe von Publik-Forum, lese den Titel und das Editorial. So eingestimmt blättere ich weiter und stolpere auf Seite 6 über die Überschrift »Der leise Patriarch«. Nach Lesen des Artikels mache ich mir erst recht Gedanken über den Begriff »Patriarch« und forsche im Internet: »Patriarchat, ein gesellschaftliches System, in dem Männer die dominante, bevorzugte Stellung einnehmen und Macht, Werte sowie Normen bestimmen.« Da halte ich es doch mit Irme Stetter-Karp: »Wir haben das patriarchale System satt, und zwar Oberkante!« (Seite 34) Hans Dudda, Dortmund

