»Meine Lehrerin der Hoffnung«
Ich muss bekennen, dass ich dank der bürgerlichen Behütung, die ich in meinem Elternhaus erfahren hatte, nur wenig Sinn für die Realität besaß. Ich wollte ganz einfach die Wahrheit wissen und dachte, dass man deswegen eben auf die Universität geht. Dass man mit dem Gelernten auch Geld verdienen, einen Beruf ergreifen muss, lag mir völlig fern. Ich dachte lediglich, dass ich mit Literatur und Theologie als Fachrichtung vielleicht einmal Lehrerin werden könnte. Der Gedanke, Pfarrerin zu werden, kam mir nicht in den Sinn. Ich habe mit unendlichen Abschweifungen Philosophie studiert. Wir Mädchen waren an der theologischen Fakultät eine Minderheit, und alle waren eigentlich überdurchschnittlich begabt.
Sie haben bereits ein
-Abo? Hier anmelden

Dorothee Sölle
